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Die Rheinhochwasser sind eine unendliche Geschichte

Rhein-Hochwasser und Hochwasser-Schutz

Das Bild zeigt die Rheinbraun-Anlegestelle und ein Verwaltungsgebäude 1926
Hochwasser in der Koblenzer Altstadt Heiligabend 1993. Foto:Holger Weinand,CC-SA-By-3.0
Hochwasser 1.April 1983 Kölner Altstadt, Foto: Sers Günter / CC-By-SA-3.0
Der Kölner Pegel zeigt eine Wasserstand von über 8m. Foto:Rheintal.de
Die neuen Schutzwände in der Kölner Altstadt.Foto:Rheintal.de
Hochwasser Überflutungsgebiet Köln Westhofener Aue. Foto:Rheintal.de

Das Thema Rhein-Hochwasser ist so alt wie der Fluss selbst. Mit Beginn der Schneeschmelze in den Alpen und den am Rhein grenzenden Mittelgebirgen wie Schwarzwald, Vogesen, Hunsrück, Taunus, Eifel und Westerwald, steigt der Flusspegel beträchtlich über das Normalniveau an. Betrachtet man die Ausdehnungsfläche des Stroms auf alten Karten, mit seinen zahlreichen natürlichen Verzweigungen, so ist kaum anzunehmen, dass die Hochwasserkatastrophen der Vergangenheit größere Schäden verursachen konnten, als die der letzten Jahre.

Mit der Begradigung des Rheins und seiner Einengung durch Schutzdämme im 19. Jahrhundert, wurde es für die Teile am Rheinufer kritisch, die durch Überflutung oder Bruch der Schutzwälle betroffen waren. Selbst Hochwasserpegelstände wie 1993 und 1995 hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Auch Stadtteil-Überschwemmungen wie in Koblenz, Köln, Düsseldorf kennt man aus alten Überlieferungen. Der Respekt der Anrainer vor Vater Rhein ist groß, da er seit Menschengedenken einmal oder gleich mehrmals im Jahr sein Bett verlässt. Selten ist die Gefahr des Hochwasser heute für die Bewohner in Ufernähe lebensgefährlich. Das war jedoch in der Vergangenheit nicht immer so, als ganze Ernten, Haustiere Wohnhäuser und Personen den Fluten zum Opfer fielen. 

Die Hochglanz-Broschüren der Immobilienmakler werben heute gerne mit dem Slogan "Traumhaftes Wohnen am Strom". Zugegeben, der Blick auf den Rhein fasziniert die Menschen schon seit Jahrhunderten. Wohl auch die Herren Ritter im Mittelalter. Die Dichte an Burgen ist weltweit nirgends größer als im oberen Mittelrheintal. Doch diese wurden hochwassersicher an die Uferhänge gebaut. Am Flussufer lebte die "einfache" Bevölkerung.

Die Schönheit und Faszination dieser einzigartigen Flusslandschaft  beeindruckte auch die Malern der Rheinromantik. Mit wachsender Mobilität kamen Besucher aus ganz Europa. Zunächst auf Schiffen, später mit der Bahn. Der Bedarf an Gemälden, Stichen, Radierungen als Reiseerinnerung war bis zur Erfindung der Fotografie groß.

Wer sich mit dem Thema Hochwasser und Hochwasserschutz beschäftigt sollte bedenken, dass seit den Flutkatastrophen an Oder und Elbe, die Bewertung der Schutzmaßnahmen am Rhein in ein völlig anderes Licht rücken. Es gelten nicht mehr allein die Gesetze und Interessen der Luxus- und Wachstumsgesellschaft. Noch mehr natürliche Ausdehnungsflächen im Rheintal durch betongesicherte Schutzmauern für Industriegebiete und Wohnungen an Stromsiedlungen zu opfern, wäre nicht nur verantwortungslos, sondern eine ökologische Katastrophe für das gesamte Rheingebiet.

Zu viele irreparable Fehler sind schon gemacht worden. Daher gilt in der Zukunft höchste Aufmerksamkeit bei weiteren Maßnahmen. Was im Rheintal hätte geschehen können, wären ähnliche Niederschlagsmengen pro Quadratmeter gefallen, wie vor einigen Jahren in der Tschechischen Republik, Bayern und Thüringen, die die verheerenden Überschwemmungen an Oder und Elbe verursachten, lässt sich nur erahnen.

Die Baumaßnahmen für den Hochwasserschutz in Köln sind abgeschlossen und damit ein weiterer Meilenstein an Sicherheit für die Stadt erreicht. Bis zu 11,30 m Kölner Pegel, sind die Bürger heute vor den Fluten des Rheins geschützt. Die Flutkatastrophen der Jahre ´93 und Januar ´95 veranlassten die Verantwortlichen im Rathaus, ein neues Hochwasser-Schutzkonzept zu entwickeln, das die Bürger nicht nur gegen eine 100jährige Flut sondern auch ein 200jähriges Hochwasser schützen soll.

Auf einer Länge von 65 km wurden im Kölner Stadtgebiet auf beiden Rheinseiten in 18 Einzelabschnitten wichtige technische Schutz-Maßnahmen durchgeführt. Hierzu gehören oberirdisch und unterirdische Deiche, Hochwasser-Schutzwände (sowohl fest als auch mobil) und Anpassungen an die Kanalisation. Das vom Land NRW bezuschusste Projekt hatte ein Kostenvolumen von 430 Millionen Euro.

Was für Köln Wirklichkeit geworden ist, nämlich Mensch, Tier und Objekt einen größtmöglichen Schutz vor großen Wassermassen zu bieten, muss auch an anderen Rheinpassagen realisiert werden. Angesicht des sich ändernden Klimas und größer werdenden Niederschlagsmengen, weiss heute niemand, ob die bisher getroffenen Maßnahmen den zukünftigen Anforderungen bei großen Fluten standhalten.