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Burg Lahneck

Sie thront auf dem letzten Zipfel des Taunusgebirges vor der Lahnmündung

Die Frontseite wurde nach alten Zeichnungen wieder restauriert. Foto:Rheintal.de
Blick von der Burg ins Lahntal. Foto: Rheintal.de
Die Streckbank als Foltergerät. Foto: Rheintal.de
Etwa 30m hoch ist die Burg mit ihrem fünfeckigem Bergfried. Foto: Rheintal.de
Blick von der Burg auf die Lahnmündung. Foto: Rheintal.de
Gemälde Burg Lahneck mit Niederlahnstein ca.1900. Repro:Rheintal.de
Der Wohnraum mit edlen Möbel für die Herrschaften. Foto: Rheintal.de

Man schreibt das Jahr 1774, als der junge Goethe eine Rheinreise macht. Bei einem kurzen Abstecher über die Lahn läßt er sich vom Anblick der Burg Lahneck zu einem Gedicht inspirieren, das er Geistesgruß nennt. Seinerzeit war Lahneck eine Ruine, dennoch aber so imposant, dass sie die Reisenden auf dem Schiff oder in der Kutsche an die Glanzzeiten des Rittertums denken läßt.

Erbaut wird die Burg im Mittelalter, allerdings nicht von einem Ritter. Der Ort Ober-Lahnstein war im Mittelalter der nördlichste Posten des Kurfüstentums Mainz. Zur Sicherung der Grenzen gegen Kurtrier läßt Siegfried III. von Eppstein, Erzbischof von Mainz, im Jahr 1240 die Burg Lahneck (damals Loynecke) erbauen. Auf dem letzten Ausläufer des Taunusgebirges gelegen, thront die Burg seitdem über der Mündung der Lahn in den Rhein. Unverwechselbar ist der fünfeckige Bergfried, der in die innere Burgmauer integriert ist. 

Dort oben steht im Jahr 1851 die junge Engländerin Idilia Dubb und schreit verzweifelt zu einem an der Burg vorübergehenden Bauern herunter. Wie Goethe hatte sie Burg Lahneck schon vom Boot aus gesehen, mit dem sie eigentlich nach Ehrenbreitstein fahren wollte. Kurz entschlossen ändert sie ihren Plan, verlässt das Schiff und steigt allein zur Burg. Nach dem Aufstieg durch den herbstlichen Wald, führt ihr Weg zunächst durch den Halsgraben, der die Burg gegen Angriffe von der höher gelegenen Bergseite schützen soll.

An der Schildmauer der Burg vorbei erreicht sie das Tor, auf dessen spätmittelalterlichem Spitzbogen sie wohl gerade noch das Wappen des Adelsgeschlechts der Isenburger zu erkennen vermag. Nachdem sie ein zweites Tor in Gestalt eines Torturmes durchschreitet, muss sie nur noch einen kleinen Graben überqueren - dann steht sie im Hof der verlassenen Burg.

Mitte des 16. Jahrhunderts ziehen die Burgherren um es bequemer zu haben, hinunter in die Stadt, die mittlerweile durch eine Mauer gesichert ist. Als Diether von Isenburg 1463 in der Mainzer Bistumsfehde dem Bischof Adolf von Nassau unterliegt, wechselt Burg Lahneck zum Ausgleich in seinen Besitz. Er ist es, der die starke äußere Ringmauer hinzufügen lässt.

Für seine Urahnen jedoch ist die ständige Präsenz in Oberlahnstein wichtig, da sie dort einige Generationen lang den Posten des Amtmannes ausfüllten. Nur zwei Wächter und ein Beamter bleiben an ihrer Stelle auf der Burg, die einst mit so bekannten Rittern wie den Grafen von Katzelnbogen, Sayn und Wied bewohnt war. Es wird immer ruhiger auf Lahneck. Nachdem die Burg aus dem dreißigjährigen Krieg stark beschädigt ist , wird sie endgültig aufgegeben und verlassen. 

Zwei Jahrhunderte darauf findet Fräulein Dubb bei ihrer spontanen Besichtigung von dem einstigen Wohnhaus nur noch die Grundmauern vor. Die Menschen haben in der Zwischenzeit den Hinterlassenschaften der mittelalterlichen Vorfahren wenig Wertschätzung entgegengebracht und sie respektlos als Steinbruch benutzt. Der Bergfried ist von dieser Zerstörung ausgenommen geblieben und ragte bis zu einer Höhe von 30 Metern über dem Burghof.

Neugierig auf die Aussicht, die sich ihr von seinem Dach aus bieten würde, erklimmt die Engländerin die fünf Stockwerke. Als sie endlich auf dem Turm steht, ist  sie begeistert über den Blick. Über die Täler von Rhein und Lahn, auf die kleinen Städtchen Ober- und Niederlahnstein und über die Hügel, die von herbstlich gefärbten Wäldern bedeckt sind. Nun aber spielt sich eine Tragödie ab: Die Treppe des Turms stürzte ein, und die Besucherin wird zur Gefangenen, der schöne Ausblick vom Dach des Bergfriedes ist ihr letzter.

Nachdem sie nicht von ihrem Tagesausflug zurückkehrt, kommt bei allen nun angestellten Nachforschungen über ihren Verbleib niemand darauf, sie auf der Burg zu suchen. Der erwähnte Landarbeiter ist die letzte Person, die sie lebend gesehen hat. Er missdeutete jedoch ihre Hilferufe als übermütigen Gruß, den er freundlich erwidert und dann seines Weges geht. Idilia Dubb stirbt auf Burg Lahneck wahrscheinlich einen grausamen Hungertod - viel später erst finde man ihre sterblichen Überreste.

1852 kauft der Direktor der rechtsrheinischen Eisenbahngesellschaft Moriarty, ebenfalls ein Engländer, Burg Lahneck und beginnt die Ruine in dem Mittelalter nachempfundenem romantischen Stil wieder aufzubauen.