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Die Burg Pfalzgrafenstein

Mitten im Rhein steht sie auf einem Felssockel, mal vom Wasser umspült, mal trocken

Seit ihrer Restaurierung strahlt sie wieder in voller Pracht. Foto:Rheintal.de
Blick auf die Zollburg aus südwestlicher Richtung von einem Rheinschiff. Foto:Rheintal.de
Vogelperspektive. Foto:Wikipedia CC BY-SA3.0 Autor:MFSG
die verdeckte Zollburg bei der Anfahrt aus nördlicher Richtung, stromaufwärts. Foto:Rheintal.de
Die Zollburg Rheingrafenstein gehörte mit zu den beliebtesten Motiven der Maler in der Zeit der Rheinromantik bis heute.

Das Jahr 1325. Ein verärgerter Papst Johannes XXII. erteilt per Brief dem Erzbischof von Trier einen Verweis: Ebenso wenig wie die Erzbischöfe von Köln und Mainz hat dieser der Weisung Folge geleistet, dem deutschen König Ludwig von Bayern die Nachricht seiner Exkommunikation zu überbringen. Kurz zuvor hat er Ludwig schon mit dem Kirchenbann belegt. Nun ist ihm auch noch zu Ohren gekommen, dass der deutsche König bei der Festung Kaub am Rhein den Zoll angehoben hat, zum Schaden des Erzstiftes Trier. Trotz weiterer drängender Briefe an seine Erzbischöfe unternehmen diese nichts gegen den König. Zum großen Verdruss des Papstes baut Ludwig in den beiden folgenden Jahren auf der vor Kaub gelegenen Rheininsel Falkenau einen befestigten Turm, um die Zollabwicklung zu erleichtern.

1328 muss der mittlerweile in Avignon residierende Papst hinnehmen, dass Ludwig in Rom von Vertretern des Volkes zum Kaiser gekrönt wird. Seit dem 9. Jahrhundert war die Kaiserkrönung das alleinige Recht des Papstes gewesen. Ludwig von Bayern widersetzt sich offen dieser Regel. Nachdem er sogar einen Gegenpapst eingesetzt hat, findet er schließlich bei den deutschen Kurfürsten Unterstützung. 1338 versammeln sich diese in Rhens und lassen verlautbaren, der von den Kurfürsten gewählte König bedürfe nicht der päpstlichen Unterstützung. Als Ludwig dieses neue Recht für seine Zwecke ummünzt und als neues Reichsgesetz verkündet, die Köngigswahl durch die Kurfürsten gebe auch Recht und Titel des Kaisers, wird es seinen Verbündeten zuviel. 1346 wählen sie auf Ersuchen des Papstes einen neuen König. Der entmachtete Ludwig von Bayern stirbt ein Jahr darauf.

Dies ist eines von vielen Beispielen des Kampfes zwischen Kirche und Staat um die Herrschaft im Reich, welcher die gesamte Epoche des Mittelalters kennzeichnet. Nach dem Investiturstreit (1076/77), der mit dem berühmten Gang Heinrichs IV. nach Canossa endete, hatte die Kirche für lange Zeit die größere Macht. Erst Ende des 15. Jahrhunderts, als sie in innere Konflikte um Reformen verstrickt war und das Papsttum unter Dekadenz und Verfall litt, erfolgte mit dem Aufkommen von Renaissance und Humanismus eine Stärkung der weltlichen Macht.

Bis dahin war die oben geschilderte Episode längst in Vergessenheit geraten. Der Turm auf der Rheininsel bei Kaub jedoch, der ein Anlass des Streits zwischen Ludwig von Bayern und dem Papst gewesen war, wurde nach des Königs Niederlage nicht wieder abgerissen, sondern erhielt den Namen "Pfalzgrafenstein" und blieb auf der Insel stehen. Schon im Jahr 1340 erhielt er eine sechseckige Mauer-Einfassung. Passend zum Standort der kleinen Festung hatte der Wall, der mit seiner Höhe von 12 Metern den Turm auch vor Hochwasser schätzen sollte, die Form eines Schiffsrumpfes.

Die Einrichtung einer Zollstätte auf der Insel Falkenau war nicht die Idee Ludwigs des Bayern gewesen. Man vermutet vielmehr, dass schon ein Jahrtausend zuvor die Römer die markante Stelle zur Kontrolle des Rheins genutzt hatte. Unterstützt wurde dies durch die Burg "Cuba" (später in "Kaub", dann in "Gutenfels" umbenannt), die auf einem Berghang über der Insel auf den Rhein hinunterblickte. Von dort aus überblickte man fast jeden Winkel der starken Biegungen, die der Rhein an dieser Stelle machte - ein strategisch äußerst günstiger Ort.

Wie nach dem Bau Pfalzgrafensteins die Zollabwicklung vonstatten ging, ist uns im Detail überliefert: Den ankommenden Schiffen wurde durch Trompetenstöße, später durch eine Glocke, das Signal zum Anhalten gegeben. Nun kamen die Zöllner auf das Schiff und forderten nicht nur ihr Geld, sondern durchsuchten auch das Schiff nach nicht deklarierter Ware. Konnte der Zoll nicht gezahlt werden, landeten die Schiffer in einem stromabwärts gelegenen Mauerturm. Dieser hatte eine Besonderheit: Da es trotz der hohen Mauern häufig vorkam, dass Pfalzgrafenstein vom Rhein überschwemmt wurde, war das Turmverlies mit einem auf dem Wasser schwimmenden Holzfußboden ausgestattet. Je nach Wasserstand hob oder senkte er sich, so dass die Gefangenen vor dem Ertrinken sicher waren.