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Die Burg Rheinstein

Schritt für Schritt zurück zur "alten" veränderten Pracht

Anfahrt aus südlicher Richtung auf die Burg. Foto:Rheintal.de
Ansicht der Burg Rheinstein vom Rheinschiff. Foto:Rheintal.de
Prachtvoller Anblick auf die burganlage vom Rhein. Foto:Rheintal.de
Ansicht der Burg-Innenhofanlage aus der Vogelperspektive. Foto: CC-BA- Wikipedia,Tango7174
Blick auf die Burg aus südlicher Richtung.Foto: Rheintal.de
Detailansicht der Burganlage aus nordöstlicher Richtung. Foto:Rheintal.de

Sie sieht aus wie ein romantisches Schlösschen, ist aber eine Burg aus dem frühen Mittelalter: Rheinstein bei Trechtingshausen. Bereits im 16. Jahrhundert dem Verfall überlassen, wäre Rheinstein heute nur mehr eine Ruine – wenn nicht in der Epoche der Romantik eine Wiederbesinnung auf das Mittelalter stattgefunden hätte. Vor allem diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Burg heute als vollständiges, wenn auch stark verändertes Bauwerk über dem Rhein steht und auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurückblicken kann. 

Schon um das Jahr 900 n. Chr. als Zollstätte erbaut, wurde die Burg im 14. Jahrhundert vom Erzbischof von Mainz ausgebaut, damals unter dem Namen „Vautzberg“. Im Mittelalter war es nicht selten, dass ein Bischof neben seiner kirchlichen Position noch einen weltlichen Titel innehatte. Der jeweilige Erzbischof von Mainz war über lange Zeit auch Pfalzgraf des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen. In dieser Funktion hielten die Mainzer Erzbischöfe Vautzberg als Bastion gegen die nahe gelegenen kurpfälzischen Burgen Reichenstein und Sooneck. Die meisten von ihnen vergaben die Burg als Lehen an andere Personen – zuletzt im Jahr 1572 an einen Kämmerer und Küster des Mainzer Doms, Anton von Wittberg. Obwohl dieser bald feststellen musste, dass die Haltung der Burg seine finanziellen Möglichkeiten überstieg, gab er das Lehen nicht zurück. Bei seinem Tod war Vautzberg offenbar schon so baufällig, dass sich niemand mehr um eine Übernahme bemühte.

Während im Verlauf des dreißigjährigen Krieges andere Burgen am Rhein von den verschiedenen Kriegsparteien heftig umkämpft und teilweise mehrmals niedergebrannt wurden, blieb Rheinstein relativ unbeschadet, oder besser: unbemerkt. Die Burg hatte keine strategische Bedeutung mehr. Über ein Jahrhundert stand sie leer und unbewohnt, bis ein gewisser Prinz Friedrich Ludwig von Hohenzollern bei einer Reise darauf aufmerksam wurde. 1823 kaufte er sie kurzerhand auf und baute das mittelalterliche Mauerwerk unter Hinzufügung von neugotischen Zinnen und Ecktürmchen zu einem romantischen Schloss aus, das er Rheinstein nannte.

Durch die Orientierung von Kunst und Literatur an der deutschen Vergangenheit, insbesondere am Mittelalter, war der Rhein mit seinen zahlreichen historischen Stätten für romantische Maler und Schriftsteller interessant geworden, und auch die Adligen und Herrscher des Landes besannen sich auf das Leben ihrer Vorfahren. Dem Dichter Carl Gustav Carus hielt nach einem Besuch auf Rheinstein fest, dass die Herrschaften dort als Knappen und Burgfraülein verkleidet herumliefen und sogar die Diener Gewänder nach alter Form trugen, mit anderen Worten: die Burginsassen spielten Mittelalter. Vielleicht war dieses außergewöhnliche Detail der Grund, aus dem auch so manches gekrönte Haupt Rheinstein einen Besuch abstattete. Königin Victoria von England, die russische Zarin Alexandra, Königin Elisabeth von Österreich – alle folgten sie der Einladung von Prinz Friedrich.

Durch das über eine Freitreppe zu erreichende Hauptportal gelangt man in die eigentliche Burg und steht zunächst in der weitläufigen Knappenhalle. Sie verbindet das links vom Eingang gelegene mittelalterliche Hauptgebäude mit dem Rheinturm. In ihm spielte sich ein wichtiges, wenn auch weit zurückliegendes Kapitel der Burggeschichte ab: Zwischen 1282 und 1286 hielt König Rudolf I. von Habsburg hier Gericht über Raubritter, die den Rhein unsicher machten. Die Verurteilten wurden zur Strafe in den Eisenkorb gesperrt, der heute noch an der Spitze des Turmes über dem steil zum Rheinufer abfallenden Hang baumelt.

Die kleine Burg, die vor Jahrhunderten für einen Feudalherren und seine Familie gebaut worden war, konnte aufgrund ihrer Lage auf einem Felsvorsprung am Hang kaum erweitert werden. Um trotzdem einem Prinzen mit seinem ganzen Hofstaat den nötigen Platz zu bieten, wurde das Burghaus auf vier Stockwerke ausgebaut. Die Herzogin von Sagan nannte Rheinstein nach einem Besuch allerdings immer noch "eine wahre Nuss-Schale". Später gehörte Rheinstein Prinz Heinrich von Preußen, dem Bruder Wilhelms II.. Dieser schließlich vererbte die Burg an die letzte preußische Prinzessin Barbara, heute Herzogin zu Mecklenburg. Sie lebte jedoch weit entfernt vom Rhein, in der Nähe von Kiel, und entschloss sich 1973, den stark renovierungsbedürftigen Besitz zu verkaufen. Unter den Interessenten befand sich unter anderem die Baghwan-Sekte, die am Rhein ein zweites Hauptquartier aufbauen wollte. Fast hätten die "Hare Krischnas" den Zuschlag erhalten - im letzten Augenblick konnte jedoch der ehemalige Opernsänger Hermann Hecher das Herzogenpaar überzeugen, Rheinstein an ihn zu verkaufen. Sofort begab er sich unter Einsatz von viel Energie und seiner ganzen Familie an die schwierige Aufgabe, die Burg wieder bewohnbar zu machen. Mit finanzieller Hilfe durch die Landesregierung und einen Förderverein wurde Rheinstein Schritt für Schritt zu seiner alten Pracht zurückgebracht. Häufig dient es seitdem als Kulisse für diverse Musikveranstaltungen; auf eine Initiative Hechers hin werden sogar Opernseminare abgehalten.

Der eher an leiblichen Genüssen interessierte Besucher kann sich in einer Gaststätte mit Terasse über dem Rhein erfrischen, in der unter anderem Wein aus eigener Herstellung ausgeschenkt wird. Bewohner wie Besucher müssen zu Fuß die Zugbrücke und das Fallgitter passieren, um in die Burg zu gelangen. Sie erreichen nach einem Gang durch den Halsgraben, der zu früheren Zeiten die gefährdete Hangseite vor Angriffen schützte, den Kommandantenturm, das ehemalige Torhaus der Burg. Wer die romantisch-mittelalterliche Athmosphäre für eine Nacht oder länger auf sich wirken lassen möchte, kann sich hier einen Wohnraum mieten. Seit 1979 ist auch die neugotische Kapelle an der südlichen Ringmauer der Burg wieder begehbar, die Prinz Friedrich 1844 erbaut hatte. Unter ihr liegt die Gruft der Prinzenfamilie.