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Der Westwall

Ein Bollwerk aus Beton und Eisen als Schutz gegen den Erzfeind Frankreich

Höckerlinie unter der Madenburg Südpfalz. Foto:Rheintal.de
Höckerlinie im Ortsbereich. Foto Rheintal.de
Die Herrn Werning und Stutterich mit Luftbild. Foto:Rheintal.de
Besucher am "Tag des offenen Denkmals". Foto:Rheintal.de
Graben als Panzerhindernis mit Wasser gefüllt. Foto:Rheintal.de
Die Höcker aus Beton und Eisen- Ammierung. Foto:Rheintal.de
"Stillleben" an der Höckerlinie in der Südpfalz. Foto:Rheintal.de
Bunker im Westwall-Abschnitt Pirmasens. Foto: Rheintal.de
Bunker im Westwall-Abschnitt bei Pirmasens. Foto:Rheintal.de

Die Idee, ein unüberwindbares Hindernis zu bauen, um sich so vor Angreifern zu schützen, ist so alt, wie sich Menschen, ja ganze Völker bekämpfen. Zu den bekanntesten Schutzbauten gehören die Chinesische Mauer, die römische Grenzbefestigung Limes und aus jüngerer Zeit, der Westwall. Dieser ist vor allem der Kriegsgeneration in unserem Land noch in Erinnerung. Zwischen 1936 und 1940 errichtete die Wehrmacht den Westwall, geplant als unüberwindbares Bollwerk auf einer Länge von über sechshundert Kilometer.

Zwischen den Städten Basel im Süden und Kleve im Norden entstanden 20.000 Betonbauten und zahlreiche Panzersperren. Den Erzfeind im Westen Frankreich wollten die damaligen Machthaber dadurch zurückhalten. Kilometerlange Höckerlinien oder Panzergräben sollten die Bunker vor Panzerangriffen schützen. Die Bunker selber wurden besonders ab Sommer 1938 nach zunehmend zynischen Gesichtspunkten erbaut: In den Bunkern sollten soviel wie möglich Waffen und Soldaten nach Angriffen mit Artilleriegranaten und Flugzeugbomben „ihren Kampfwert behalten haben“. Während eines Kampfes sollten die Bunker das „Durchhalten gegen einen überlegenen Gegner“ über einen bestimmten Zeitraum ermöglichen.

Oft war es möglich, aus den Bunkern mit Maschinengewehren und meistens kleineren Geschützen angreifende Soldaten zu bekämpfen. Bunker wurden schon während der Weimarer Republik zum Schutz der Ostgrenze zu Polen gebaut, aber entlang der Westgrenze war dies durch den Versailler Vertrag bis 50 km östlich des Rheins verboten worden. Nach der Machtübernahme durch die Nazis und Aufstockung der Haushaltsmittel der Militärs entstanden 1935 die ersten Bunker im Westen Deutschlands in der Neckar-Enz-Stellung beiderseits Stuttgart und Heilbronn und 1936 auch in der Wetterau-Main-Tauber-Stellung beiderseits Aschaffenburg.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Hitler schon entschieden, sich über den Versailler Vertrag hinweg zu setzen und die Wehrmacht an die Westgrenze rücken zu lassen. Die ersten Bunker im heutigen Rheinland-Pfalz entstanden 1936 nach der Wiederbesetzung des Rheinlands, um die Grenze zu Frankreich notdürftig zu sichern. Während der nachfolgenden Jahre wurden Pläne entwickelt, die Grenze nachhaltig mit Befestigungen zu schützen und zum Teil auch umgesetzt. Diese Situation änderte sich, als Hitler 1938 seine Pläne offenbarte, die zur Sudetenkrise und 1939 letztendlich zur Besetzung der Tschechoslowakei führten. Um besonders Frankreich Armee davon abzuhalten, der Tschechoslowakei vertragsgemäß zu Hilfe zu eilen, befahl Hitler Mai 1938, die damals noch „Westbefestigungen“ genannten Befestigungen beschleunigt auszubauen.

Die jährlichen Bauprogramme der Festungspioniere wurden durch das sogenannte „Limesprogramm“ mit vereinfachten Bunkertypen abgelöst. Die abschreckende Wirkung der Befestigungen wurde durch eine gezielte Propaganda unterstützt. Erst im Herbst 1938 wurde der Name „Westwall“ geläufig. Ab 1939 wurde mit moderneren Bunkertypen weitergebaut, aber spätestens im Sommer 1940, als die Wehrmacht die Atlantikküste erreicht hatte, erfolgte die Einstellung der Arbeiten.

Erst ab August 1944, als die Alliierten durch Frankreich im Vormarsch waren, wurde noch versucht, den Westwall zu modernisieren und auszubauen, aber zu großen Veränderungen kam es nicht mehr. Vielerorts mussten Einwohner benachbarter Ortschaften Panzer- und Schützengräben ausheben. Die Wehrmacht konnte oft noch bis nach der Ardennen-Offensive die Alliierten im Bereich der Befestigungen aufhalten, aber danach nicht mehr.

Die meisten Bunker wurden ab 1946 auf Veranlassung der Alliierten gesprengt. Anwohner und Schrotthändler entfernten alles Brauchbare. Seit 2005 wurden die Bunkerbeseitigungen  auf drängen von Naturschützern und Historikern eingestellt. Nach dem Krieg gerieten die Reste des Westwalls für die Öffentlichkeit in Vergessenheit und wurden zu stillen Zeugen einer dunklen Zeit. Nur die Anwohner bekamen mit, wie über die Jahre zahlreiche Bunker und Bunkerruinen abgerissen wurden. Am Anfang ging es meistens noch darum, Straßen und Wohngebiete von Trümmern zu befreien und wirtschaftlich brauchbare Flächen wieder zu nutzen, aber allmählich führte die vom Bund finanzierte und gesetzlich verankerte Gefahrenbeseitigung zur weitgehenden Entfernung der Reste dieser Befestigungen aus der Landschaft.

So finden wir heute in den Bunkerruinen Wildkatzen, Fledermäuse, Vögel und Kleinsäuger, in den Feuchtzonen zahlreiche Amphibien, Reptilien und Insekten. An vielen Stellen sind die Panzersperren mit dichten, seltenen Moosen und Flechten sowie Farnen bewachsen. Es bleibt zu hoffen, dass die heute noch bestehenden Biotope erhalten bleiben. Der Denkmalwert ist in bauhistorischer und geschichtlicher Sicht dem römischen Limes durchaus gleichwertig.

Text: Patrice Wijnands