Logo - Rheintal.de das Portal für die Rheinregion und drüber hinaus.

Der Limes

war eine 800 km lange Grenzlinie der Römer zum Schutz gegen die Germanen-Stämme

Rekonstruktion eines Limes Wachturm mit Palisaden-Zaun im Taunus. Foto:Oliver Abels (Wikipedia)
Ausrüstung mit Kettenhemd, Schutzschild,Helm und Handwaffen. Foto:Rheintal.de
Soldat mit Helm-Kopfschutz
Rheinisches Landesmuseum Bonn.Foto:Rheintal.de
Handwaffen der eines Wachsoldaten.
Rheinisches Landesmuseum Bonn.Foto:Rheintal.de
Reiterhelm mit Nackenschutz Rheinisches Landesmuseum Bonn.Foto:Rheintal.de
Reitermaske aus Bronze Rheinisches Landesmuseum Bonn.Foto:Rheintal.de
Villa Rustika in Bad Neuenahr. Foto:Rheintal.de

Über drei Jahrhunderte lang trennt der Limes die beiden römischen Provinzen Ober- und Niedergermanien vom restlichen, freien Germanien. Allein der Hauptteil des imposanten Bauwerkes (ohne die Grenzabschnitte, die im Norden durch den Rhein und im Südosten durch die Donau gebildet werden), hat eine Länge von über 800 Kilometern. Bis auf einige kleinere Verschiebungen bleibt sein Verlauf während der Zeit der Römerherrschaft in etwa gleich.

Was sich mit den Jahrzehnten ändert, sind nur die Dichte und der Zustand seiner Befestigungen. In der Bedeutung Grenze wird das Wort erstmalig um 100 n.Chr. vom römischen Geschichtsschreiber Tacitus verwendet. Vorher bezeichnet man mit limes oder limites Schneisen oder Straßen, die an den Grenzen entlang führen oder ins Germanenland hinein stoßen und so breit sind, dass sie schnellere Truppenbewegungen erlauben. Spätestens seit der Varusschlacht (9 n.Chr.), als germanische Einheiten unter Arminius bei Kalkriese zwei Legionen fast vollständig aufreiben, vermeiden es die Römer nämlich, sich im Feindesland in weit auseinander gezogenem Tross durch unwegsames Gelände zu bewegen - ihre militärische Überlegenheit kommt nur zum Tragen, solange sie in ordentlicher Formation marschieren können.

Die Grenze zwischen römischem und germanischem Territorium bilden anfangs - zu Zeiten von Julius 
Cäsar - der Rhein und die Donau. Augustus macht sich zum Ziel, den römischen Einflussbereich bis zur Elbe vorzuschieben, um Gallien besser gesichert zu wissen. Die römische Armee erleidet aber bei ihren Eroberungsversuchen (ab 16 v.Chr.) immer wieder derartige Rückschläge, dass Tiberius, der Sohn und Nachfolger von Augustus, dreißig Jahre später die Elbe als Ziel aufgibt.

Von nun an ist von der Nordsee flussaufwärts bis hinter Bonn wieder der Rhein die Grenze. Schon Drusus, Tiberius früh verstorbener Bruder, hat entlang dieser Linie etwa fünfzig Kastelle (kleine, befestigte Niederlassungen) errichten lassen. Bis zum Vierkaiserjahr (69 n.Chr.) gibt es immer wieder Germanen- Einfälle, die die Entwicklung des römischen Lebens links des Rheins jedoch nicht entscheidend stören. In diesem Jahr aber wird im Zuge der Kämpfe um die Nachfolge Neros ein großer Teil der rheinischen Armee in Richtung Italien abkommandiert.

Die Bataver nutzen die Gunst der Stunde und zetteln, vom kurz zuvor gegründeten Köln ausgehend, einen Aufstand an. Der ursprünglich am unteren Rheinlauf ansässige Germanen Stamm, ist für seine starken Krieger bekannt. Dementsprechend ist er seit seiner Unterwerfung von Tributzahlungen nahezu befreit und stellt den Römern stattdessen zahlreiche Hilfstruppen. Diesen sogenannten Auxiliareinheiten gehören auch die Rebellen an - es handelt sich also nicht eigentlich um einen Germanen- Aufstand, sondern um eine Erhebung innerhalb des römischen Heeres.

Angeführt wird sie vom Offizier Julius Civilis, der einer batavischen Häuptlingsfamilie entstammt. Neben den meisten ortsansässigen Germanen- Stämmen schlissen sich weitere sechs Bataverkohorten an, die aufgrund ihrer mangelnden Disziplin vorzeitig aus dem Süden entlassen wurden. Der neue Kaiser Vespasian, der sich in den Auseinandersetzungen um den Cäsarenthron schließlich durchgesetzt hatte, muss ganze neun Legionen (etwa 90.000 Soldaten) aufbieten, um Rätien und das Rheingebiet zurückzuerobern. Neben den Aufständischen haben auch rechtsrheinische Germanenstämme die Situation ausgenutzt und sind weit in römisches Gebiet vorgerückt.

Besonders in Obergermanien und Rätien haben sie starke Verwüstungen angerichtet. Vespasian beschäftigte sich im folgenden hauptsächlich mit der Sicherung des Status Quo, er baut die zerstörten Kastelle wieder auf und reorganisierte die gesamte Grenzarmee. Im Bemühen um günstigere Grenzen läßt er 73-74 n.Chr. durch den Keil, den das Gebiet zwischen Oberrhein und Donau bildete, eine befestigte Straße bauen. Unter Domitian (81-96 n.Chr.) wird endgültig die Zweiteilung des römischen Einflussgebietes in Ober- und Niedergermanien vorgenommen.

In Obergermanien gelingt es, die Grenze weiter nach Norden zu verschieben. Um der Chatten Herr zu werden, die sich ihm dort entgegen stellen, läßi er eine Reihe von Schneisen in die Wälder des Taunus und der Wetterau schlagen. Auch hier, wo es keine Flüsse als natürliche Grenze gibt, geht er dazu über, eine feste Verteidigungslinie anzulegen, die durch Kastelle und hölzerne Wachtürme gesichert wird. Hadrian (117-138 n.Chr.) schließlich läßt die Grenze durch eine Holzpalisade befestigen - so entstrnt Stück für Stück der Limes. In seiner endgültigen Ausprägung bestrht der Limes aus drei deutlich voneinander unterscheidbaren Abschnitten: die Rheingrenze, die man auch als Niedergermanischen Limes bezeichnet, dem Obergermanischen Limes und dem Rätischen Limes.

Der Obergermanische Limes, bestehend (bis auf ein kleines Teilstück am Lauf des Mains) aus einem Wall und einem Graben, vor dem sich ein Palisadenzaun befindet. Hinter der Linie befinden sich zahlreiche steinerne Wachttürme. Beim Rätischen Limes sind ähnliche Wachttürme seit Kaiser Carcalla (211-17 n.Chr.) in eine zweieinhalb bis drei Meter hohe Steinmauer eingebaut. Den Niedergermanische Limes bildet  der Rhein als primäres Hindernis. Bewacht wird er durch Auxiliarkastelle im Abstand von etwa zwölf bis zwanzig Kilometern, die sich bis zum Ende des 2. Jahrhunderts fast ausnahmslos in kleine, aus Stein gebaute Lager verwandeln.

Die Funktion des Limes ist die Markierung und Überwachung der Grenze des Römischen Reiches. Punktuelle Angriffe und einzelne Raubzüge von Germanen können durch ihn verhindert oder schnell und mit ausreichender Kraft zurück geschlagen werden. Als Bollwerk gegen einen breit angelegten Ansturm von Feinden, ist er als  Verteidigungslinie jedoch zu schwach. Im Laufe der Jahrhunderte wird er daher viele Male, namentlich von Markomannen, Alamannen und Franken, überrannt. Die Völker dringen tief in das Römische Reich ein, oder sie setzten sich im Grenzgebiet fest und verwüsten römische Siedlungen.

Als gegen Ende des 3. Jahrhunderts die Völkerwanderungen einseten, kann der Limes dem vereinten Ansturm von Franken, Goten, Vandalen, Alannen und Sueben gegen die römischen Grenzen nicht standhalten und wird aufgegeben. Nach und nach werden die Römer am Rhein in ihrer Vorherrschaft durch die Franken abgelöst. Zum Ende des 4. Jahrhundert ziehen sich die Römer ganz zurück und verlassen Ober- und Nieder-Germanien.