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Der Römerkanal

war eine Wasserleitung, die Frischwasser aus der Eifel nach Köln brachte

Um Flusstäler zu überwinden wurden Viadukte gebaut. Rekonstuktion bei Mechernich/Eifel
Einstieg zu einem unterirdisch verlaufenden Teilstück des Kanal.
Dieses ausgegrabene Teilstück des Römerkanal steht auf dem A. Kolpingplatz in Köln

Vor zweitausend Jahren hieß Köln „Colonia Claudia Ara Agrippinensis“ und war die Hauptstadt der römischen Provinz Niedergermanien. Seine Gründer waren es aus ihrer Heimat Rom gewöhnt, immer über frisches, wohlschmeckendes Wasser zu verfügen. Zu einer richtigen Stadt gehörte für die Römer ein eigenes Wasserversorgungs- und Abwassersystem. Das Wasser des Rheins entsprach weder im Geschmack noch Sauberkeit den Ansprüchen.

So beschafften sie sich ihr Trinkwasser schon zu Beginn des ersten Jahrhunderts n.Chr. über eine Wasserleitung aus Quellen am Vorgebirgsrand, westlich von Köln. Später bauten die Römer einen zweiten, viel längeren Wasserkanal, der zwei Jahrhunderte lang Quellwasser aus der Nordeifel nach Köln transportierte und etwa 95 Kilometer lang war. Er verlief von einem Quellgebiet in der Nordeifel (bei Kallmuth, Urfey und Dreimühlen) zunächst in östliche Richtung, an Euskirchen vorbei, und knickte vor Meckenheim nach Norden ab.

Über Brühl führte er nach Hürth, dort schließlich traf er auf jene älteren Leitungen aus dem Vorgebirge nach Köln. Zwischen 260 und 280 vor Christus zerstörten Germanen einige überirdisch verlaufende Teilstücke, so dass die Wasserleitung unbrauchbar wurde. Da aber der größte Teil der Leitung unterirdisch verlegt worden war, liegen noch heute lange Abschnitte des Römerkanals im Boden verborgen. Im Mittelalter vermuteten die Menschen, der Kanal habe einmal bis nach Trier geführt. Über den Zweck des monumentalen Bauwerks waren sie sich nicht ganz einig: Die einen dachten, die Römer hätten – in Abwandlung der Post mit Brieftauben – Enten durch den Kanal schwimmen lassen, um Nachrichten zwischen den beiden Städten zu überbringen. Die anderen vermuteten, in der Leitung sei gar kein Wasser, sondern Wein geflossen, der so von Trier nach Köln transportiert wurde.

Außer, dass sie zu solchen Spekulationen anregten, boten die Überreste der Wasserleitung auch einen praktischen Nutzen: Die Steine, die die Römer benutzt hatten, waren selten und von weither beschafft worden und stellten daher einen wertvollen Rohstoff für den Bau verschiedener Kirchen, Klöster und Burgen des Rheinlandes dar. Etwa im Torturm der Rheinbacher Burg kann man noch heute leicht die Steine erkennen, die aus dem Römerkanal stammen. Besonders begehrt war der sogenannte Kalksinter, der sich während des jahrhundertelangen Betriebs im Inneren der Leitung abgesetzt hatte, denn bei diesem Stoff handelt es sich um nichts anderes als Marmor.

Der mittelalterliche Raubbau ist auch der Grund dafür, dass heute außer dem ein oder anderen Pfeiler nichts mehr auf die beiden langen Aquäduktbrücken über die Erft (550 Meter) und den Swistbach (1400 Meter) hinweist. Eine kleinere Brücke am oberen Verlauf der Leitung, die bei Mechernich den Veybach überquerte, wurde in den sechziger Jahren teilweise rekonstruiert. Im Raum Mechernich sind noch weitere Überreste der Leitung zu besichtigen, zum Beispiel ein Sammelbecken, in welchem die Leitungsstränge aus Dreimühlen und Urfey/Kallmuth zusammengeführt wurden, sowie ein offen gelegter Teil der Leitung, in dem eine Stufe und ein nachfolgendes Tosbecken zu sehen sind. Dieser Fund war 1980 der Beweis für die Theorie, dass die Römer ihre Leitungen in verschiedenen Teilabschnitten gebaut haben, an denen gleichzeitig gearbeitet wurde.

Die römischen Landvermesser mussten also sehr präzise arbeiten, damit die Enden der einzelnen Stücke immer genau aufeinander trafen. Besonders wichtig war die exakte Einhaltung der vorgegebenen Höhe. Köln liegt etwa 30 Meter, das Quellgebiet gut 500 Meter hoch. Das natürliche Gefälle lieferte die physikalische Kraft, die das Wasser von den Quellen in die Stadt transportierte. Die Mechenicher Stufe ist ein Verbindungsstück zwischen zwei Bauteilen. Augenscheinlich waren die Bauarbeiter des oberen Teilstückes so vorsichtig, dass sein Ende schließlich etwa 40 Zentimeter höher lag als der Anschluss zum unteren Teilstück. Bis auf kleinere Korrekturen, die durch solche Fehler nötig wurden, stellte der Kanal keine besonders hohen Anforderungen an die Baukunst der Römer – andernorts, etwa in der heutigen Türkei oder in Spanien, hatten sie bereits weitaus kompliziertere Druckwasserleitungen errichtet.

Die Kölner Leitung wurde, sobald beide Versorgungsstränge im Westen der Stadt aufeinander getroffen waren, doppelstöckig weitergeführt. Unten verlief der Vorgebirgskanal, und darüber die Wasserleitung aus der Eifel. In Hürth-Hermühlheim wurde 1962 ein Stück dieser Doppelleitung gefunden und rekonstruiert. Über fast zehn Kilometer führte die Hochleitung zu den Toren Kölns. Am Neumarkt, ungefähr da, wo heute die Apostelnkirche steht, erreichte sie die damaligen Stadtmauern. Aufgrund einer Verwechslung blieb an dieser Stelle ein einzelner Bogen der Eifelwasserleitung mit seinen zwei Pfeilern bis ins siebzehnte Jahrhundert erhalten: Die am Boden liegende Rinne war durch Steinplatten abgedeckt – darum hielten die Kölner das allein stehende, kurze Ruinenstück im Mittelalter für den Sarkophag des heiligen Marsilius.