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Die Römer am Rhein

waren Besatzer, Baumeister und Siedler in Nieder- und Obergermanien

Stehle mit "Rhenus" - so nannten die Römer den Rhein.
Das Baumaterial wurden nicht selten kilometerweit mit Booten herbeigeschafft.
Der Kran war den Römern als Bauhilfsmittel bereits bekannt.
Das Baumaterial wurden nicht selten kilometerweit mit Booten herbeigeschafft.
Bauszene, Modell aus dem Rheinischen Landesmuseum Bonn.

Die Römer kamen nicht nur als Soldaten an den Rhein, sondern auch als Einwanderer, die das Land besiedelten und Städte gründeten. Ob Mitglied in der Armee oder Zivilist, die Menschen mussten versorgt werden. So entstand um die römischen Castelle, wie die Heerlager genannt wurden, ein Netz von Gutshöfen, den Villa Rusticas. Sie waren im Durchschnitt 50 bis 100 Hektar groß und wurden von einheimischen Pächtern oder von Militär-Veteranen bestellt.

Wenn die römischen Soldaten nach einer Dienstzeit von mindestens 20 Jahren in den Ruhestand traten, erhielten sie eine Abfindung. Den Ort, an dem sie fortan leben wollten, konnten sie sich aussuchen, und selbstverständlich entschieden sich nicht wenige für Germanien, wo sie viele Jahre im Dienst des Kaisers gelebt hatten. In den Gebieten mit fruchtbaren Lößböden herrschte der Ackerbau vor. Angebaut wurden überwiegend Weizenarten, darunter der in heutiger Zeit wieder beliebte Dinkel, und Gerste - letztere war das Grundnahrungsmittel der Soldaten. Kleinere Mengen an Roggen, Hafer und Hülsenfrüchten ergänzten die Ernte.

In den Gärten der Gutshöfe zog man verschiedene Gemüse und Kräuter - mit Dill, Bohnenkraut, Thymian, Koriander und Kümmel wurden schon vor zweitausend Jahren die Speisen gewürzt. Auch Nüsse und Obst - vor allem Kirschen, Pflaumen, Äpfel und Pfirsiche - wurden in separaten Pflanzungen angebaut. Aus der Heimat Italien brachten Sie auch den Wein oder kultivierten Wildwein-Pflanzen, die es im Rheintal zu damaliger Zeit reichlich gab.

Den Römern wird auch der Anbau der Eßkastanien zugesprochen. Sie gedeihen besonders an der Ostflanke des Pfälzer Wald und der Haard. Jedes Jahr suchen tausende Besucher und Pfälzer im Oktober die köstliche Frucht. Bis weit in den Pfälzer Wald sind die mächtigen Bäume zu finden. Die landwirtschaftlichen Geräte von damals, sind uns heute bekannt, dank der sogenannten Mithrassymbole, Grabbeigaben aus Bronze: Bei Ausgrabungen fand man in den Gräbern reicher Gutsherren kleine Nachbildungen von Rechen, Sensen, Spaten, Beilen, Pflügen und Erntewagen.

Getreide wurde mit Dreschflegeln gedroschen und anschließend für den Eigenbedarf an Brot auch zu Mehl vermahlen. Der Überschuss wurde an Bäcker verkauft, die ihre eigenen Mühlen hatten.Funde weisen darauf hin, dass zu einzelnen Höfen auch Ölpressen, kleine Webereien und Imkereien gehörten - dies verschaffte den Pächtern einen Zusatzverdienst. Wo die Böden schlechter waren, wurde verstärkt Viehzucht von Milch- und Schlachtvieh betrieben.

Während unsere unmittelbareren Vorfahren im Mittelalter und in der Neuzeit bekanntlich eine Vorliebe für Schweinefleisch hatten, bevorzugten die Römer Rindfleisch. Es machte über zwei Drittel der Fleischproduktion aus. Daneben hielt man auch Milchvieh und erzeugte Butter und verschiedene Käsesorten. Die bei der Schlachtung anfallenden Tierhäute wurden meist vor Ort gegerbt und dann verkauft.Ein Abnehmer war die Armee, wo die Häute zur Herstellung von Lederpanzern und Zelten verwendet wurden. Sättel, Zaumzeug, Wasserschläuche und Schuhwerk benötigten sie ebenso wie die Zivilbevölkerung.

Interessanterweise stellten unter den Schustern einige nur Sandalen her - ihre Berufsbezeichnung war sandaliarius -, und andere, die caligarii, fertigten ausschließlich Stiefel. Der Lebensstandard der Bevölkerung auf dem Land war unterschiedlich. Bei Ausgrabungen von landwirtschaftlichen Großgütern mit Herrenhäusern, wurden bemalte Wände und Marmor- oder Mosaikfußböden gefunden. Auf solchen Höfen gehörten auch beheizbare Räume und eigene Badeanlagen zu Standard. Jedoch die meisten Bauern lebten wohl in eher einfachen Verhältnissen, ohne den Komfort der Oberschicht in den größeren römischen Städte.

Die tägliche Arbeit auf einer Villa Rustica war für die ganze Familie des Pächters oder Besitzers eine Tätigkeit rund um die Uhr. Das Gesinde, so wurde das Hauspersonal genannt, wohnte in eigenen, weniger prächtigen Häusern, an die sich die Wirtschaftsgebäude anschlossen. Beispiele für die im römischen Italien übliche Sklavenhaltung gabt es in Germanien nicht. Bei Bedarf wurden vor allem zur Erntezeit auch Tagelöhner aus der Bevölkerung der umliegenden Dörfer hinzu geholt.