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Die Maginot-Linie

Sie sollte im Elsass die Grenze gegen den Erzfeind Deutschland sichern

Der Bunker Fort Schoenenbourg wurde massiv vom Feind unter Beschuss genommen. Foto:Rheintal.de
Mit der Schmalspurbahn wurden Nahrungsmittel und Waffen transportiert. Foto:Rheintal.de
Tunnelgang mit Schmalspurgleis für den Nachschub. Foto:Rheintal.de
Blick in einen Lageraum mit alltäglich genutzten Gegenständen. Foto:Rheintal.de
Die Vorräte der Küche reichten für mehrere Wochen. Foto:Rheintal.de
Die besonders großen Kaliber wurden von im Gelände aufgebauten Kanonen eingesetzt. Foto:Rheintal.de
Behandlungsraum für verletzte oder erkrankte Soldaten. Selbst OPs wurden durchgeführt. Foto:Rheintal.de
Die Soldaten ruhten in engen und schlecht belüfteten Räumen.

Die Kriege zwischen Frankreich und Deutschland wurden in den Grenzgebieten am Oberrhein in den Regionen Elsass und Lothringen, sowie in den Ardennen besonders hart und blutig geführt. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 verändert den Grenzverlauf im Osten Frankreichs. Im Frankfurter Vertrag wird die Region Elsass-Lothringen Frankreich aberkannt.

Um die Jahrhundertwende beginnt Frankreich mit dem Bau von Festungsbauten, entlang des neuen Grenzverlaufs. Die als „Eiserne Linie“ ( Ligne de Fer) bezeichnete Grenzbefestigung zieht sich von der Belgisch-Französischen Grenze im Nordosten, bis zur Schweizer Grenze, nahe Basel. Vor allem auf den Maashöhen, zwischen Belfort und Epinal werden die Bunkeranlagen in kürzeren Abständen angelegt. An anderen Stellen sind sie kilometerweit entfernt.

Diese, dem Gelände angepassten Bunker, ragen nur wenig aus dem Boden heraus und sind mit großkalibrigen, weitreichenden Geschützen ausgestattet. Mit dieser Schutzmaßnahme will die französische Regierung verhindern, dass durch einen weiteren Krieg im Osten des Landes erneut eine Grenzverschiebung erfolgt. Der erste Weltkrieg wird in Ostfrankreich von 1914 /18 erneut am Oberrhein in den Regionen Elsass und Lothringen sowie in den Ardennen und der Champagne geführt. Erneut verändert sich der Grenzverlauf.

1919 kommt Elsass-Lothringen durch den Vetrag von Versailles wieder nach Frankreich zurück. Zwischen den beiden Weltkriegen sichert Frankreich den Grenzverlauf nach Deutschland durch den Bau der Maginot- Linie von 1930 bis 1935. Sie besteht aus sehr stark befestigten Forts, aus betonierten, unterirdischen Kampfständen, Batterien und Panzerhindernissen. André Maginot konzipiert die Anlagen auf Anregung des Verteidigungsminister Paul Painlevé. Ähnlich der „Eisernen Linie“ beginnt auch der Verlauf der Maginot-Linie nahe der belgischen Grenze bei Charleville-mezieres und endet bei Basel.

Das Fort Simershof im Grenzgebiet nahe Pirmasens gehört zu den wichtigsten Befestigungsanlagen der Maginot-Linie. Etwa 20 km weiter östlich liegt Fort Schoenenbourg, die größte heute zugängliche Anlage im Elsass. Der Besucher sieht von außen nur den massiven Betonblock und die Reste der Schmalspurbahn, die in den Eingangsbunker führt.

Hinter Schutzgittern und Panzertüren befindet sich eine Eisentreppe, auf der die Besucher 30 m tief ins Erdinnere absteigen. Konstant 13° C ist die Temperatur im Stollen-Bereich. Alle Anlagen sind in ihrem Originalzustand erhalten und wohl auch aus diesem Grund wurde die Festung unter Denkmalschutz gestellt. Auch ohne Führung ist der Besuch sehr eindringlich.

Hinweisschilder in drei Sprachen und zahlreiche Fotos aus der Kriegszeit vermitteln einen nachhaltigen Eindruck, wie die Soldaten die Zeit unter Tage verbrachten. Der Weg führt den Besucher zunächst in den Küchenbereich, das Elektrizitätswerk, die Belüftungsstation, die Kaserne und die Krankenstation. Der Hauptstollen hat eine Länge von 1200 m und führt direkt zum Hauptbefehlsstand, einem Kampfbunker mit Panzerturm und seinen 7,5 cm Kanonen.

Die eingespielten Geräusche vermitteln behutsam, welchem Schallpegel die Soldaten zeitweise ausgesetzt waren. Die Festung Schoenenbourg wurde am 14. Mai 1940 von der deutschen Artillerie heftig unter Beschuss gesetzt und ab dem 20. Mai zusätzlich aus der Luft bombardiert. Durch den Einsatz eines 42 cm Skoda-Mörser wollte die deutsche Wehrmacht die vollständige Zerstörung der Anlage erreichen. Sie feuerte insgesamt 3000 Bomben und Geschosse, darunter 55 betonbrechende Geschosse jedes 1100kg schwer, auf die Festung. Von den französischen Soldaten wurden insgesamt 16000 Granaten abgefeuert.

Die Besatzung der Festung Schoenenbourg ergab sich nach dem Inkrafttreten des Waffenstillstands auf Befehl des französischen Oberkommandos am 25.06.1940. Der Verein Freunde der Maginot-Linie im Elsass hat mit großem Aufwand die Festung für Besucher hergerichtet. Den ursprünglich grauen, dunklen Stollen-Wänden wurde ein heller Anstrich gegeben, damit die beklemmende Wirkung etwas abgemildert wird.

Und doch bleib ein bedrückendes Gefühl. Für Menschen mit Platzängsten ist dieser eindrucksvolle Rundgang 30 m unter der Erde nicht zu empfehlen. Zwei Stunden in enger, kühler Umgebung und 2,5 km, Fußstrecke, sind nicht Jedermann Angelegenheit.  Menschen, die eine enge Umgebung nicht weiter stört, wird ein Besuch des Fort Schoenenbourg in bleibender Erinnerung sein und ist daher unbedingt zu empfehlen. Es sind genügend Möglichkeiten  in den Gängen und in den Räumlichkeiten Ruhepausen einzulegen.  Auch Sanitäranlagen sind vorhanden.