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Rheinwanderung 10.Tag / Frühlingsanfang 21.03.2007

von Spay nach Boppard

Elmar Hillebrand /Blick vom Steinbruch über Weinberge Richtung Boppard
Clemens Hillebrand / Blick zurück auf Steinbruch Richtung Osterspai
Anna M’barek / Blick vom Mandelstein zurück Richtung Osterspai
Clemens Hillebrand / Blick vom Mandelstein Richtung Boppard
Elmar Hillebrand / Blick auf die Rheinschleife und Filsen.

Von Spay aus gehen wir – meine Schwester Anna M’barek, Malerin, mein Vater Elmar Hillebrand, Bildhauer, und ich – um ca. 9 Uhr 30 los. Wir gehen erstmal unten am Rhein entlang und bemerken, dass an bestimmten Uferstellen oben auf dem Kies eine Unzahl von kleinen Muscheln liegt. Bei ca. Rk.577 vorbei an menschenleeren Campingplatzanlagen, die derzeit um so verlassener wirken, wenn man sich vorstellt, was an heißen Sommertagen hier los ist.

Auf großen Wiesen schrecken wir durch unser Vorbeigehen eine Schar Wildgänse auf, die unter großem Getöse auffliegen, um sich weiter oberhalb wieder niederzulassen.

Plötzlich beginnt starkes Schneetreiben. Gespräch über den Maler Turner und seine Bilder, die er vom Rhein gemalt hat. Angeblich hatte hier eine große Trockenheit geherrscht, aber als er am Rhein zu malen anfing, kamen der ganze ausgebliebene Regen, Nebel und Feuchtigkeit auf einmal. Deshalb diese lichtdurchfluteten Bilder, in denen sich die Wolken mit der Landschaft zu vermischen scheinen. Rechts oben auf den Bergen kann man alte aufgelassene, zugewachsene Weinberge sehen. Hier unten liegt viel zusammengeschobenes Treibholz vom letzten Hochwasser, über das wir bei dichtem Schneetreiben klettern. Sonne, und im Wechsel wieder nasser Schnee.

Ab ca. Rk. 576 Blick auf Osterspai gegenüber. Anna erzählt von einer schönen Wanderung, die sie dort auf der anderen Seite gemacht hat. Bei ca. Rk. 573 bei starkem Schneegestöber endlich ein kleiner Weg von der Straße aus unter der Bahn her rauf in die Weinberge.

Während die Sonne hinter den Wolken hervorkommt, zeichnen wir bei einem alten Schiefersteinbruch so lange, bis es nach etwa zwanzig Minuten wieder so kalt ist, dass wir weitergehen müssen.
Wir gehen weiter durch die Weinberge. Die Steillagen sind hier wirklich sehr steil, was die Arbeit mühselig macht. Immer wieder sehen wir Winzer beim Schneiden und Binden der Reben. Oben am Wegrand liegen Haufen von Trester – Reste der Trauben, Schalen, Kerne –, der als Dünger, wohl auch mit Mulch vermischt, zwischen den Rebstöcken verteilt wird. Schöner Blick geradeaus, wo dichte Schneewolken weit über den Rhein wehen. Interessant sind auch hier zu sehende andere Weinanbaumethoden. Auf ca. zwei Meter hohen Holzpfählen steckt eine Art Rad mit vier „Speichen“, alles aus Plastik, woran der Wein gebunden wird.

Ein Mann aus einer Gruppe von unentwegten Wanderern erklärt uns dies etwas später als das ‚Trierer Rad’. Andere Reben sind, so wie ich das sonst kenne, zwischen Pfählen an Drähten gezogen, meist schon bis auf einen oder zwei Triebe zurückgeschnitten, die dann rund bzw. brezelförmig gebunden sind. Am Wegrand auf dem Boden zwischen den Reben blüht gelb Ackersenf, das so genannte Barbarakraut und immer wieder die grüne Nießwurz, deren größerblütrige Verwandte, die Christrose, auch sehr früh im Jahr in Gärten weiß erblüht. Wir gehen einen Grilloweg, einen Frankenweg, und kommen schließlich auf den Mandelstein. Oben ist eine Schutzhütte, in der wir Mittag machen und, nach einem durch plötzliche Schneeschauer vereitelten Versuch auf einer Bank, wieder erneut zu zeichnen wagen.
Wir gehen den Weinlagenweg weiter – zwischen den Reben blühen rosa junge Pfirsichbäumchen –, kreuzen einen Bach und nehmen dann den Panoramaweg Richtung Boppard. Bei der Kläranlage treffen wir eine Gruppe Wanderer, die uns einen Pfad zeigen, der hinter der Kläranlage den Hang hinauf und dann oben weiter nach Boppard führen soll. Der Weinbau hört hier auf und der neu angelegte, schmale Pfad geht über Treppchen an alten, verdorrt aussehenden Kirschbäumen vorbei. Rechts neben uns fließt der Ewigbach, an dem wir gelb blühende Schlüsselblumen und die gerade sich entfaltenden Blätter des Aaronstabes sehen. Dahinter überwachsene und bemooste Trockenmauern alter Terrassen aufgelassener, von Brombeeren, kleinwüchsigen Bäumen und den Lianen der Waldrebe überwucherter Weinberge. Zum Schrecken meiner Schwester führt der Weg nur über zwei etwa drei und vier Meter hohe Leitern die Felsen hinauf und ist auch sonst nicht ganz ungefährlich. Dieser Abschnitt ist wohl eher für die etwas abenteuerlustigeren Wanderer gedacht. Auf dem mühevoll erreichten kleinen, mit Schieferschotter bedeckten Platz haben wir dann aber einen wunderschönen freien Blick auf die Rheinschleife und das gegenüberliegende Filsen. Weiter hinauf und hinab den Hang entlang, vorbei an gerade aufblühenden oder aber trockenen, mit Flechten überzogenen Schlehenbüschen.

An einer weiten, steilen, mageren Wiese findet sich in der Nähe eines zwischen kleinen Bäumen und Büschen gelegenen, mit Wellblech bedeckten Unterstandes ein etwas flacheres Plätzchen zum Zeichnen auf die Rheinschleife.
Dann gehen wir runter in die Stadt Boppard und besuchen, bis der Zug uns nach Spay zurückfährt, kurz die schöne Karmeliterinnenkirche.

Clemens Hillebrand, 21.03.2007