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Rheinwanderung 24.Tag / 15.10.2008

W o r m s

Clemens Hillebrand 24.Tag/15.10.2008
Clemens Hillebrand 24.Tag/15.10.2008
Clemens Hillebrand 24.Tag/15.10.2008
Clemens Hillebrand 24.Tag/15.10.2008
Clemens Hillebrand 24.Tag/15.10.2008
Clemens Hillebrand 24.Tag/15.10.2008

Gegen 12 Uhr gehe ich vom Bahnhof los. Ein grauer Tag, bewölkt, aber bisher trocken.

Ich setze mich draußen vor ein Café nahe beim Lutherdenkmal und esse mit Blick auf die Straße leckere Spaghetti Aglio-Olio.

Ein älterer Mann spielt immer dann, wenn Leute vorbeigehen, ein paar Töne auf der Geige und verbeugt sich.

Einige der Vorbeigehenden werfen Münzen in den offenen Geigenkasten. Nach einiger Zeit steckt sich der kleine Mann eine dicke Zigarre an, qualmt und macht Pause.

 



Ich überquere die Stefansgasse und gehe erst vorbei am Kunsthaus Heylshof, dann entlang einer schönen, kräftigen Ziegelmauer (oben auf ihr sehe ich einen seltsamen „Grottenbrunnen“), bis ich an zwei kleine Tore komme, durch die sich mir eine wunderschöne freie Sicht auf die Westseite des Doms aus rotem Sandstein öffnet.
Hier zeichne ich.

Leider fängt es an zu regnen.
Ich gehe in den Dom St. Peter und muss mich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Vom Nordeingang aus rechts stehen an der Wand fünf schöne gotische Reliefs.

Ich mache mir Skizzen.


Der romanische Raum ist sehr schön, nach einem Rundgang überkommt mich Sehnsucht nach Tageslicht. Gerade habe ich draußen angefangen zu zeichnen, da beginnt es wieder zu regnen.


Ich finde einen noch stark belaubten Ahornbaum, unter dem ich einigermaßen trocken bleibe, und zeichne von hier aus neu auf die Nordseite des Doms.

Später dann gehe ich im Nieselregen von St. Peter aus über den großen, gepflasterten Marktplatz und um die Dreifaltigkeitskirche herum. Von außen ist sie schöner als von innen.


Im recht hellen Raum hängen auch Fotos von der schlimmen Zerstörung der Kirche. Nach dem 21. Februar 1945 war von ihr nur noch eine Ruine übrig. Beim weiteren Rundgang durch die Stadt bemerke ich, dass es relativ wenig alte Gebäude gibt. Hier ist wohl in verschiedenen Kriegen viel zerstört worden.


Da es nach wie vor nieselt, setze ich mich unter den aufgespannten Schirm eines Cafés und zeichne von hier auf die Ostseite des Domes. Einer der Türme ist eingerüstet und von riesigen


Plastikplanen verhüllt. Beim Zeichnen nehme ich mir die Freiheit, ein Bauwerk vor dem Dom stark zu vereinfachen. Es ist, obwohl farblich angepasst, einfach ärgerlich.

 

Beim weiteren Spaziergang durch die Stadt sehe ich die schöne, etwa 1000 Jahre alte Martinskirche, in die man über einen mit allerlei Pflanzen und Stühlen und Brünnchen etwas rührend möblierten Innenhof durchs Nordportal gelangt. Eine schöne, einfache Kirche mit schönen, neueren Chorfenstern. Auch gefällt mir der bronzene Ambo in Form eines offenen Hauses, in dessen Stockwerken viele Episoden aus dem Leben von St. Martin dargestellt sind.


Vor der Kirche auf dem freien Platz steht über einem Brunnen, zwischen zwei Löwen, ein Obelisk, gewidmet Ludwig dem IV., 1837–1892, „Großherzog von Hessen und Förderer


von Gewerbe, Industrie und Kunst“. Am Brunnenrand kichern zwei türkische Mädchen über ein knutschendes Pärchen. Ich zeichne in die Dämmerung hinein den Wasser speienden Fisch des Brunnens, bevor ich unterm dunklen Abendhimmel über die erleuchtete Wilhelm-Leuschner-Straße schnell den Weg zum urigen Bahnhofsgebäude finde.

Clemens Hillebrand, 15.10.2008