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Rheinwanderung 4.Tag/12.05.2006

von Remagen bis Bad-Breisig

Clemens Hillebrand 4.Tag/12.05.2006
Clemens Hillebrand 4.Tag/12.05.2006
Clemens Hillebrand 4.Tag/12.05.2006

Um zehn Uhr gehe ich, bei schönem Frühlingswetter, in Remagen, ab Rheinkilometer (Rk.) 634, los. Bald schon nähere ich mich den Resten der ehemaligen Brücke. Kurz vorher habe ich von einer Bank aus das rechte Rheinufer gezeichnet.
Zwischen Rk. 632/9 und 632/8 ist im linksrheinischen Brückenkopf, aus ähnlich dunklem Basalt wie der Bismarckturm in Bad-Godesberg, das sehr sehenswerte Friedensmuseum eingerichtet.

Hier wird mit eindrucksvollen Bildern vom Kampf um diese Brücke und von anderen Dokumenten des letzten Weltkrieges, und seinen Folgen für alle, die darunter gelitten haben, berichtet.

Der Rhein ist an vielen Orten, mit seinen Städten, Burgen und Landschaften, nicht nur Zeugnis von Baukunst, Heldentat und Weinbau, sondern auch Erinnerungsstätte an das Menschenschlachten - je länger her, je verklärter in romantischer Sage.

Gegenüber blüht hellgelb der Ginster über und neben kleineren Weinbauflächen an den Hängen des Erpelerley.

Rechts neben mir, bestimmt kilometerlang, eine schöne einseitige Allee, vor allem aus Walnussbäumen, immer wieder unterbrochen von einzelnen Pflaumen- oder gerade rosa und weiß erblühenden Kastanienbäumen.

Ich gehe an der ‚Goldenen Meile’ vorbei, die friedliche Stimmung gerade mit dem Wissen spürend, dass rechts über dem Hang, wo sich jetzt ein in die Länge gezogener Campingplatz erstreckt, sich nach dem Krieg ein riesiges Gefangenenlager befand.
Unter den Radfahrern sind hauptsächlich ältere Leute. Es scheint Privileg der Rentner zu sein hier an diesem wunderschönen Morgen zu radeln. Vereinzelt wandernde Maler nicht zu vergessen.

Gegenüber bei Rk. 631 die Burg Ockenfels. Hier rufen und antworten gerade jetzt viele Vogelstimmen aus hohen Pappeln, dickstämmigen Weiden und blühendem Weißdorn heraus; darunter im fett-grünen Maigras, hellweiß leuchtend, viele sechszackige Milchsterne; daneben - inmitten tausender Pusteblumen, denen ich viel Wind gönne - einzelne verspätete, sattgelbe Löwenzahnblüten.

Weiter vorbei an blühendem Flieder in alten Gärten, dahinter alte, teils marode Jugendstil-Villen, vorne am Weg blühende Clematis. Ich komme in den Ortsteil Kripp. Das Bötchen vorne am Anleger heißt St. Martin. Eine kleine Skizze von einem Reiher im Gegenlicht bei Rk. 630.

Gegenüber liegt Linz. Ich gehe bis zur schönen Balkenbrücke über die Aarmündung durch rheintypische Auenlandschaft. Dann führt der Weg etwas vom Rhein weg, wieder durch eine, nun beidseitige, Nussbaumallee. Links und rechts ist wunderschöne Landschaft in der die Spitzpappeln noch hoch wachsen dürfen. Gerne würde ich ein Aquarell malen, doch der frühmorgens gehörte Wetterbericht und sich aufbauende Wolken warnen mich vor einem möglichen Gewitter. Ich möchte erst dann malen, wenn ich einen möglichen Unterstand in der Nähe weiß. Dieser ist das ‚Bootshaus’, welches kein Bootshaus im Kölner Sinne, also auf dem Wasser, sondern ein Lokal in der Nähe des Wassers ist. Ein kleines Stückchen davon entfernt male ich bei Rk. 627/7 ein Aquarell.
Eigentlich ganz zufrieden mit dem Bild, aber etwas unruhig über die knappe verbleibende Zeit - ich muss um 18°° wieder in Köln sein - gehe ich zügig weiter rheinauf. Das Gewitter bleibt aus.

Doch auch ohne Donner kann das Rheintal sehr laut sein. Gegenüber scheint eine Bahnstreckenbaustelle zu sein. Geräusche wie von zermalmtem Gestein, von Warntönen vor Zügen, und von Zügen gegenüber und auch vom diesseitigen Ufer. Irgendwoher entfernter Straßenlärm. Ich erahne die B32 gegenüber, die B9 und die Autobahn diesseits.

Auf der anderen Seite, bei Rk. 625, wird ein Aussichtspunkt über Felsen sichtbar, die mit sehr hell weiß-gelb blühenden Büschen bewachsen sind. Dann erscheint hinter dem Berg ein Turm, der sich, weitergehend, als Teil eines von Weinbergen umgebenen Schlosses erweist. Rechtsrheinisch ziehen die Berge sich zurück, und linksrheinisch rücken sie in der Ferne näher an den Rhein. Neben mir eine unendlich weit scheinende, grüne Wiese mit den angrenzenden Eifelbergen im Hintergrund.

Bei Rk. 624 bin ich in Bad-Breisig, gehe unter beschnittenen Linden hinein in den hier heute sehr gediegen wirkenden Ort. Ein draußen gut besetztes Cafe, Pizzeria, Restaurant nach dem anderen. So viel gesetzt, beschaulich, geballte Gemütlichkeit verunsichert mich - von einem Hotelbalkon rechts über mir, der Ruf von gemütlichem Gast zu gemütlichem Gast: “Gut gebucht ist halb gewonnen“ - ich komme mir mit meinem Rucksack eher wie ein ‚Penner’ vor und verlasse die Rheinmeile rechts hoch durch den alten Ort. Dann über die heute staubige Koblenzer Strasse gehend finde ich auch bald den Bahnhof und den Zug, der mich rechtzeitig, mal aus dem Fenster auf die bisher gelaufene Rheinstrecke, dann wieder in ein Buch von Georges Simenon schauend, nach Köln bringt.

Clemens Hillebrand, 12.05.2006