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Rheinwanderung 9. Tag /13.03.2007

von Rhens nach Spay

Clemens Hillebrand, Aquarell, Blick von Brey auf Braubach und die Marksburg
Clemens Hillebrand, Aquarell von der Höhe auf die rechtsrheinischen Berge.
Caspar Hillebrand, Zeichnung, Blick von Brey auf Braubach und die Marksburg
Clemens Hillebrand,Spay
Caspar Hillebrand, Spay

Ab Rhens bei schönstem, sonnigen, warmen Frühlingswetter gehe ich mit meinem Sohn Caspar, Student an der Uni Bonn und Italienwanderkollege, also im Zeichnen alles andere als unerfahren, von Rhens aus los.

Erst ein Stückchen unten am Rhein entlang, wobei wir bei ca. Rk. 581/5 über eine kleine Brücke den Tauberbach überqueren. Der Bach unterquert an gleicher Stelle die Strasse. Den Bach entlang führt ein kleiner Weg durch ein heute offenes Eisentor unter dem Straßentunnel her.

Ich gehe mal gucken - sieht interessant aus. Auf dem Weg unterhalten wir uns auch über Caspars Arbeit an der Uni. Er erzählt von einem Projekt über die gegenseitige Wahrnehmung von Osmanen und Polen im 18. Jahrhundert. Dabei erklärt er, dass viele seiner Informationen aus Berichten von reisenden Gesandten kommen, die ähnlich wie wir heute einen Weg gingen, und die Umgebung und das, was sie erlebten beschrieben.

Bei Rk. 581 zeichnen und malen wir beide um ca. 11 Uhr 30 von der gleichen Bank aus unsere ersten Bilder. Blicke von Brey, diesseits des Rheins auf das gegenüberliegende Braubach, die Marksburg und die Schornsteine der ehemaligen Blei- und Silberhütte.
In Brey gehen wir dann rauf in den Ort und kommen bei der Suche nach unserem Wanderweg über die Höhe an einen kleinen Laden, der außer Zeitschriften und Schreibwaren auch Lebensmittel, Backwaren, eingeschweißte Fleischwurst und sogar Wolle führt. Wir fragen nach Keksen. Die freundliche Frau fragt in den Laden hinein ihren Mann: “Hast Du die Kekse schon verkauft?“ Die Antwort bedeutet: keine Kekse. Ich mag solche Läden.

Schließlich gehen wir, ausgerüstet mit Wasser, Schokolade und Brötchen für zwei Euro und noch was weiter. Ein schöner Weg, erst vorbei am kleinen Friedhof und Marienkapellchen. Die Burg gegenüber scheint jetzt sehr nahe. Ein Weg durch Wiesen und Weiden, am Rand viel Moos in dem ein kleines, weißblühendes Kraut wächst, das ich in meinem extra mitgebrachten Pflanzenbuch leider nicht finde.

Bald geht es links, Richtung Siebenborn. Hier ist eine, allerdings renovierungsbedürftige Bank mit schönem freien Blick auf die Burg gegenüber. Nun geht es am Hang des Tillkopfes entlang weiter auf Siebenborn zu. Durch die silbrigen Stämme der kahlen Buchen leuchtet hellgrün eine Wiese, unten murmelt der Tillbach. Am Weg selber dichtbemooste Schieferfelsen. Dann treten wir aus dem Wald heraus auf die Straße, die uns in den oben liegenden Ort führt. Mich umdrehend habe ich einen schönen Blick zurück auf den Rhein von oben.

Am Ortseingang noch ein Kapellchen mit einer freundlich ausschauenden blondgelockten Maria mit blondgelocktem Kind, dann ein paar schöne und weniger schöne Häuser. Auf dem grünen Anhänger eines Traktors sitzt ein Mann und macht Mittagspause. Wir gehen einen Weg, der uns erst optisch wieder auf die Burg zuführt. Links zweigt dann ein Weg ab zu einer Marienkapelle, wir gehen geradeaus. Auf dem lehmigen Ackerboden leuchtet hellblau der zahlreich frisch erblühte Ehrenpreis. Ein Ausländer, eingewandert vor vielen Jahren aus Persien.

Vorbei auch an großen Streuobstwiesen, um die sich derzeit kaum jemand zu kümmern scheint. Viele der knorrigen Bäume sind abgestorben, geschnitten wurden sie schon lange nicht mehr. Bald wieder ein direkter Weg nach Spay, wir gehen aber geradeaus, um einen anderen, neuen Blick aufs andere Ufer zu bekommen. Richtung Rhein taucht immer wieder über dem Wiesengrün die Marksburg auf, die so aussieht, als stände sie am Rande einer Wiese und nicht auf der anderen Rheinseite. Wieder viel Ehrenpreis, sogar schon ein flatternder Schmetterling und eine singend in die Luft aufsteigende Lerche.

Wir gehen wieder Richtung Rheingraben und haben bald von einer etwas maroden Aussichtshütte einen leider durch allerhand noch kahle Sträucher und Bäumchen verstellten Blick aufs „enge Thürchen“, die lange Mole gegenüber, unten rechtsrheinisch. Vorbei an einem wunderschön blühenden Wildkirschbaum, in den oft bizarr absterbenden Obstbäumen blühen gelb die Misteln.

Endlich um ca. 15°° , auf einer Kuhwiese ohne Kühe aber bedeckt mit deren Fladen, eine kleine Mittagspause. Wir essen unsere Schokolade auf Brötchen. Caspar macht ein Mittagsschläfchen, (Erinnerung an ähnliche Pausen bei Italienwanderungen), und ich male den Blick auf die vielen verschiedenen Brauntönen, zwischen denen an einer Stelle der Rhein sich unten zeigt.
Wir gehen weiter und sehen auf einer ziemlich abgegrasten, zerstampften Weide stattliche braun-weiße Kühe und Kälber. Inmitten der Weide ein weiß blühender Baum. Ein Kälbchen hat den Weg unter dem Elektrodraht in die vorläufige Freiheit gefunden und grast außerhalb der Weide leckereres grünes Gras an Stellen im Wald ab.

Wir gehen durch den jetzt noch lichten Buchenwald, vorbei an bis in die Spitzen der Bäume wachsenden kahlen Lianensträngen, den in Serpentinen den Berg hinabführenden asphaltierten Weg, an dessen Rändern wunderschöne lila-blaue Veilchenteppiche leuchten, hinunter auf das - so wie die das Vogelgezwitscher überlagernden Geräusche von Straße, Bahn und Schiffen - näherkommende Spay. Wir unterqueren die Straße und die Bahn und sind bald in dem teilweise recht alten Ort. Schöne rot – braun - weiße Fachwerkhäuser, auch aus dem siebzehnten Jahrhundert, und viele meist weiß, aber auch vereinzelt grünlich gelb blühende Bäume begrüßen uns.

Hier unten am Rhein scheint es wärmer als oben auf der Höhe zu sein, der Frühling ist schon sichtbar da. Gelbe, blaue und weiße Krokusse in den Gärten zwischen den Häusern.

Unten im freundlichen Ort gehen wir ein Stückchen rheinab und zeichnen beide am Rheinufer in verschiedene Richtungen.

Clemens Hillebrand, 13.03.2007