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Alles mit links gemacht

"Kunst ist Glaube, Hoffnung, Liebe" - Egino G. Weinert

Egino G. Weinert an seinem Arbeitstisch im Atelier
Eine von Weinert ausgestattete Kirche in Hamburg.
Die ersten Farben legte Weinert immer selbst
Die Flächen im Emaille Bild werden mit Granulat gefüllt.
Ein Mitarbeiter füllt Emaille in die vom Künstler angelegten Flächen.
Ein Emaillebild wird gebrannt, dabei schmilzt das Granulat.
Evangeliar im Kölner Atelier.
Egino G. Weinert in seinem Atelier in Köln, umringt von zahlreichen Arbeiten.
Die in Bronze gegossene Arbeit zeigt Jesus mit Johannes
Dieser Frauenakt entstand in der Studienzeit an der Kölner Werkkunstschule.
Die rote Rose war Weinerts Lieblingsblume. Hand mit Rose ist das Symbolbild der Weinert-Stiftung.

Der Goldschmied, Maler und Bildhauer Egino G. Weinert gehört weltweit zu den wenigen Künstlern, dessen Werke auf allen Kontinenten zu finden sind. In Kathedralen, Kirchen und Klöstern stehen Tabernakel, Altäre, Leuchter, Ambos, Kelche mit Patenen. In privaten Wohnungen hängen seine Patronale, Kreuze und Email-Bilder. Bischöfe und Kardinäle tragen seine Ringe, Stäbe und Brustkreuze.

Den ersten Kontakt zur Kunst hatte er bereits als Schüler. Im Haus seiner Eltern in Berlin gingen die damals noch wenig bekannten Maler Max Pechstein und Emil Nolde ein und aus. Sie waren Nachbarn. Später kamen Otto Müller, Georg Grosz und Otto Dix dazu. Eginos Vater arbeitete als Angestellter im Schöneberger Rathaus, wo hin und wieder die genannten Künstler ihre Werke präsentierten. Nach den Ausstellungen wurden die Bilder in einem Lagerraum im Hause Weinert zwischen gelagert und vom kunstinteressierten Günter (Egino) genau unter die Lupe genommen.

Als 14jähriger kam Egino G. Weinert 1934 als Lehrling in die Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg. Damit erfüllte sich sein größter Wunsch, schließlich wollte er Maler und Missionar werden. 1937 wurde er Postulant und begann in der neu eingerichteten Werkstatt als erster Lehrling eine Ausbildung zum Goldschmied. Ein Jahr später war Günter Weinert Novize und erhielt den Namen des Heiligen Egino, den er bis heute beibehalten hat. Die Gesellenprüfung als Goldschmied legte er 1940 mit Auszeichnung ab. Mit der Auflösung des Klosters durch die Nazis wurde auch die Klostergemeinschaft beendet und Weinert musste wegen auffälligen Verhaltens ins Gefängnis.

Dort sollte er lernen, was die neuen Machthaber von ihm erwarteten: den absoluten Gehorsam. Nach drei Monaten konnte er das Gefängnis wieder verlassen. Seine Militärzeit begann Ende 1941 und endete 1945. Während dieser Zeit hatte er die Gelegenheit, die Meisterprüfung als Gold- und Silberschmied zu machen. Eine Tasche mit den benötigten Werkzeugen führte er ständig mit sich, auch im Schutzbunker, wo der Meister-Unterricht stattfand. Es folgten die Kriegsjahre. Weinert wurde zur Marine abkommandiert und landete kurz vor Kriegsende im Führerbunker in Berlin.

Nach dem Krieg, im Mai 1945, kehrte Egino in das Kloster zurück, wo ältere Mitbrüder die Landwirtschaft während der Kriegsjahre aufrecht erhalten hatten. Der damalige Abt ließ Egino nach Berlin fahren, wo er erstmals nach dem Krieg seine Eltern besuchte. Als er, auf Wunsch seine Mutter versuchte, eine Sicherung in einem Stromkasten zu tauschen, riss eine Explosion seine rechte Hand ab. Russische Soldaten hatten eine Sicherung als Sprengsatz manipuliert.

Zurück im Kloster Münsterschwarzach durfte Egino eine Goldschmiedearbeit nach eigenem Wunsch herstellen. Es entstand einen Pax-Tafel mit 12 Apostel-Darstellungen in Email, die einen Rauchquarz umrahmen. Der Kristall stellt Jesus dar. Diese erste Goldschmiedearbeit, die Egino G. Weinert nur mit der linken Hand fertigte, gehört zu den schönsten, handwerklich perfekten Arbeiten seiner frühen Schaffenszeit.

Mit dieser Pax-Tafel in den Unterlagen bewirbt er sich an der Werkkunstschule in Köln und wird aufgenommen. Dort lernt er Frau Professor Treskow kennen. Sie leitet die Abteilung der Gold- und Silberschmiede. Weinert ist neben einem intensiven Studium in den unterschiedlichsten Fächern auchimmer auf der Suche nach Vorbildern. Corbusier, Matarè, Picasso interessieren ihn, aber auch die ehemaligen Künstlernachbarn aus Berlin. Sie haben längst einen Platz in der Kunstszene gefunden und werden von Weinert aufmerksam in ihrem Schaffen beobachtet.

Der Dreikönigen-Schrein aus dem Kölner Dom war während des Zweiten Weltkrieges zerlegt und an einem sicheren Ort versteckt worden. 1948 hatten Frau Professor Treskow und Egino, ihr Student, den Auftrag, den Schrein wieder zusammen zu setzen. Nach den Kölner Jahren und der erfolgreicher Beendigung des Studiums an der Werkkunstschule, kehrte Egino ins Kloster zurück. Dort erhoffte er nun für alle Zeit als Bruder Egino in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Vierzehn Tage vor dem ewigen Profess wird er durch Mehrheitsbeschluss von der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Im Konvent wurde vor allem seine moderne Kunstrichtung abgelehnt. Nach seiner Rückkehr aus Köln hatte er auch seine Akt-Zeichnungen und Anatomie-Studien gezeigt, doch die wollten weder der Abt noch Eginos Mitbrüder sehen. Er musste das Kloster verlassen – zurück blieb eine tiefe Traurigkeit über die Entlassung, die bis heute geblieben ist.

Bettelarm kehrte Egino zurück ins Rheinland. Er schläft in Hauseingängen, Fluren, nicht selten bei armen Menschen, die ihm einen Schlafplatz gewähren. Er fasst den Entschluss, in Bonn nach einer dauerhaften Unterkunft zu suchen, wo er auch arbeiten kann. An eine Anstellung als Goldschmiedemeister mit nur einer Hand, ist nicht zu denken. Weinert landet in einem Kohlekeller, nicht weit entfernt vom Bonner Bahnhof. Dieser Raum wurde sein erstes Atelier, in dem ihn Adenauer, Carlo Schmidt und andere Persönlichkeiten aus Politik und Kultur besuchten, die auf seine Arbeiten aufmerksam geworden waren. Schließlich lernte er die Buchhändlerin Anneliese Leupold kennen, die später seine Frau wird. Es werden drei Söhne und eine Tochter geboren. Nach dem Tod der ersten Frau heiratet er 1985 erneut.

Der weitere künstlerische Schaffensweg von Egino G. Weinert kann oberflächlich betrachtet auch als Bilderbuchkarriere bezeichnet werden. Seine Arbeiten werden ihm förmlich aus der Hand gerissen, die Auftragsbücher sind voll. Er ist nicht nur ein gefragter Künstler bei Priestern Bischöfen und Kardinälen, auch angesehene Künstler-Kollegen schätzen seine Werke. 1961 lernt er Pablo Picasso anlässlich eines Liturgie-Kongresses in Spanien kennen. Später arbeitet Egino zur gleichen Zeit wie Marc Chagall in Metz in der Kathedrale und Papst Paul VI. lässt ihn mehrmals nach Rom kommen, um gemeinsam mit dem Künstler dessen Werke zu betrachten. Ausverkauft und meist mit leerem Koffer fährt Weinert wieder nach Bonn und später Köln zurück. Johannes Paul II. lernt er anlässlich der Einweihung der Päpstliche Musikschule St. Hieronymus in Rom kennen. Egino war beauftragt worden, einen Baldachin für die vorgezogene Altarinsel zu gestalten. In der Marzellenstraße in Köln, nur wenige Meter vom Dom und Generalvikariat entfernt, lässt Egino Weinert zwischen den Kriegstrümmern ein Haus bauen, in dem auch ein Atelier und ein Verkaufsraum entstehen.

Gesundheitlich von einer chronischen Stirnhöhlenerkrankung geplagt, folgt Egino dem Rat seines Arztes, nach Spanien zu reisen, um dort im Mittelmeer zu baden und durch das Salzwasser seine Erkrankung zu lindern. Die plötzliche Verbesserung seines Wohlbefindens und nahezu völlige Heilung der Krankheit veranlassen ihn 1963 in der spanischen Stadt Denia ein zweites Atelier einzurichten. Bis heute verbringt dort Weinert zwischen Ende Mai und Anfang September den Sommer und arbeitet täglich an neuen Werken. Entstanden sind bislang 1.200 Bronze-Patronale, 1.300 Email-Bilder über 180 verschiedene Kreuze, 70 Weihnachtsplaketten unzählige Zeichnungen und Skizzen für Kreuzwege, Ambos, Kirchenfenster, Patronale, Patenen, Kelche, usw.

Egino Weinert wurde am 3. März 1920 in Berlin geboren und stirbt im Alter von 92 Jahren 2012 in Köln. Sein Lebenswerk ist einzigartig auf der Welt. Seine zum Teil karikaturhaften Darstellungen überzeugen durch ihre einfache, nicht selten kindliche Art der Linienführung und großer handwerklicher, künstlerischer Perfektion. Und seine jüngsten Email-Bilder beeindrucken besonders durch ihre außergewöhnliche menschliche Reife.

Zwei Zitate des tief religiösen Künstlers

„...das ist ein anderer der meine Hand führt. Da ist vieles, was man nicht deuten kann. Alles wird uns geschenkt. Wir können nichts aus uns selbst.”

„... ich fühle mich wie ein Kind, dass zu Füßen Gottes spielt.”