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Die Rheinflöße

Holland - Knieflöße waren die Giganten auf dem Strom

Gesamtansicht des Holland-Knie-Floß im Siebengebirgsmuseum Königswinter.
Hütten für Proviant, Vieh und Schlafplatz für Floß-Besatzung
Die Aufteilung des Floßes in bewegliche Teile (Knie) gab es nur bei den Holland-Flößen
Detailansicht des Steuerrungsteil mit Naffen und Ruderknechten.

Mit dem steigenden Bedarf an Holz, besonders am Niederrhein und in den Niederlanden, entwickelte sich im 17. Jahrhundert die Holzflößerei auf dem Rhein. Die größten schwimmenden Holzinseln, die sogenannten Holland-Flöße, hatten eine Länge von ca. 330 m und waren über 60 m breit. An Bord arbeiteten bis zu 550 Menschen. Die Mehrzahl der Besatzung wurde zur Steuerung benötigt. Sieben Männer bedienten einen Ruderlappen von bis zu 15m Länge. 

Es waren "Riesen", die stumm den Rhein hinab trieben. Dennoch kann von Ruhe keine Rede sein. Die Befehle des Steuermanns von seinem erhöhten Kommandostand und seinen Steuer-Helfern mussten schliesslich die Rudermannschaft erreichen. Und die stand bis zu 150m entfernt am Heck des Floß. Aber auch die lauten Grußrufe der Menschen vom Rheinufer schallten zu der Floßbesatzung. An manchen Orten herrschte Volksfest-Stimmung am Rheinufer, wenn wieder einmal ein Grossfloss vorbei kam.

Die Hoch-Zeit der Holland-Flöße begann in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ging bis weit in das 18. Jahrhundert. Eine Besonderheit war, dass sie aus mehreren Teilen gebunden wurden. Das große Steifstück bestand aus bis zu zehn Baumlängen von je 23m Länge. Damit hatte dieses Floßteil bereits eine Länge von 230m. Die Knieteile, so wurden die kleineren Elemente genannt, hatten eine Baumlänge von etwa 33m. Die Gesamtlänge eins solchen Hollandfloß mit vier Knieteilen betrug somit etwa 330m.  

Die mächtigen Flöße hatten einen Tiefgang von bis zu zwei Metern. In der Mitte des Floß standen Holzhütten, in die sich die leitende Belegschaft während der Talfahrt auch tagsüber zurück ziehen konnte. Bis zu 400 Ruderknechte arbeiteten an Bord. Sie übernachteten mit bis zu 15 Personen in engen, fensterlosen Hütten auf Stroh. Eine "Ölhaut" schützte sie vor Nässe und Feuchtigkeit.

Spätestens bei Sonnenuntergang musste der vorgesehene Liegeplatz angesteuert werden. Misslang die Anlandung, musste der nächste möglich Platz für die Anlandung angefahren werden. Bis der erreicht war, konnte es auch schon spät in der Nacht sein. Das Essen wurde während der Fahrt in der Floßküche zubereitet. Vor allen die Ruderknechte mussten für ihre anstrengende und nicht ungefährliche Arbeit reichlich mit Bier und Fleisch versorgt werden. Die Qualität des Bier war meist mangelhaft und wurde daher auch Flößer-Bier genannt.

Auch die Künstler waren von den Floß-Riesen beeindruckt

Rhein-Floß passiert den Loreley-Felsen bei St. Goarshausen. (Stahlstich Kölnisches Stadtmuseum)
Holland-Floß vor der Kulisse Koblenz- Ehrenbreitstein Original: Rheinisches Landesmuseum Bonn

Alte Aufzeichnungen besagen, dass bis zu 12.500 Kubikmeter Holz im Wert von umgerechnet 600.000 DM mit einem einzigen Floß transportiert wurden. Der Floßmeister hatte neben seiner normalen Arbeitskleidung mehrere frisch gestärkte Hemden im Gepäck, um nach der Ankunft die Geschäfte in angemessener Kleidung erledigen zu können.

Die großen Knie-Flöße wurden von Nachen, kleinen Beibooten begleitet. Die mitgeführten Anker kamen zum Einsatz, wenn der Steuermann eine stärkere Richtungsänderung wollte. Damit wurde eine unbeabsichtigte Anlandung am Rheinufer verhindert. Der Warschauer hatte die Aufgabe, mit seinem Boot vorauszufahren und den Fahrweg zu sichern und freizuhalten.

Im 19. Jahrhundert mussten die Flöße kleiner gebaut werden. Die Unfall-Gefahr an Engstellen und vor allem an neu errichteten Schiffsbrücken in Koblenz und Köln, sollte dadurch minimiert werden. Um die Jahrhundertwende florierte der Beruf des Flößers, besonders in dem kleinen Mittelrhein-Ort Kamp, dem heutigen Kamp-Bornhofen. Hier gab es zwei örtliche Floßfirmen und einen angemessenen Liegeplatz, wo die nun kleiner gewordenen Flöße zusammengebunden wurden.

Ende der 60er Jahre kam das Aus für die Rheinflößerei

Rheinfloss im Hafen von Schierstein: Länge 220m,Breite 63m

Mit dem Bau von Stahlschiffen, Eisenbahnen und Lastkähnen war die Rheinflößerei mit ihrem riesigen Personal- und Versorgungsaufwand nicht mehr rentabel. Den neuen Verkehrsmitteln gehörte die Zukunft. Hinzu kam, dass die gigantischen Gefährten durch ihre Trägheit und Größe zur Gefahr auf dem Rhein wurden. Der Strom entwickelte sich zunehmend durch die stark wachsende Industrialisierung im Rheintal zu einer Wasserstraßen-Autobahn, woran sich bis heute nichts geändert hat.

Offiziell  wurde die Rhein-Flößerei 1971 eingestellt. In Kamp-Bornhofen ging man daran, die alten Dokumente, Fotos, Arbeitsgegenstände und Kleidung sowie Texte zu sammeln, und in einem Museum zu präsentieren. Eines der schönsten Floßmodell, ein "Holland-Floß"  ist im Siebengebirgsmuseum  in Königswinter zu bewundern. Das äußerst präzise gebaute Modell versetzt den Betrachter ins Staunen und lässt ahnen, welche Dimensionen seinerzeit die größten Floss-Giganten hatten, die den Rhein befuhren.

Das letzte Floß, dessen Holz gewerblich genutzt wurde, schwamm 1968 an Köln vorbei. Vor allem Menschen der Region Oberrhein und oberes Mittelrheintal verdienten in den zurückliegenden vergangenem Jahrhunderten durch die Flößerei ihren Lebensunterhalt.