Europas bekanntester Strom ist der Rhein; dies gilt heute ebenso wie vor hundert Jahren. Er spielt seit der Antike, in Politik, Wirtschaft, Literatur und Verkehr eine herausragende Rolle und weckte immer das Interesse der Menschen.
Mit dem Bau der Eisenbahnlinien durch das Rheintal und die Aufnahme der Dampfschifffahrt im ersten Teil des 19. Jahrhunderts wurde das Reisen auf und neben dem Strom bequemer als je zuvor.
Damit stieg auch zunehmend das Interesse an einer Rheinreise für Besucher aus dem In- und Ausland. Es waren vor allem die Engländer, die im 19. Jahrhundert die romantische Seite des Rheintals entdeckten. Sie strömten zu Tausenden in das Mittelrheintal und bevölkerten die Ortschaften zwischen Mainz und Köln. Fortan entstand auch der Wunsch der örtlichen Orientierung.
Die ersten Rheinlaufkarten stammen aus dem
16. Jahrhundert. Sie wurden von dem Baseler Sebastian Münster hergestellt.
200 Jahre später, hatte die in Frankfurt lebende Freifrau Elisabeth Susanna von Adlerflycht (1775-1846) die Idee, den Rheinlauf nicht wie bisher als Landkarte, sondern als Reliefpanorama darzustellen. In kleineren Ausschnitten fertigte sie Details von der Nahemündung und dem Moseltal.
Ihre erste kolorierte Lithographie mit dem Titel
“ Der Rhein von Rüdesheim bis Koblenz“ stammt aus dem Jahre 1822 und ist im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen.
Die neue Art der Rheinlaufdarstellung rief zahlreiche Nachahmer auf den Plan. Unter anderem den Kölner Verleger Friedrich August Mottu (1786-1828) und den Kupferstecher F.W. Delkeskamp. Von ihm stammen die ersten Stahlstich-Reliefpanoramen mit neuer Typografie sowie Begleitheften.
Mit der Erfindung der Dampfschifffahrt und damit den Rhein sowohl flussauf- als auch flussabwärts zu befahren, wuchs der Wunsch der Rheintouristen nach geeigneten Souvenirs.
Die zunächst einfarbigen Reliefs von Delkeskamp und die farbigen Litho-Blätter von E.v. Adlerflycht entwickelten sich bald zum Verkaufsschlager. 1825 veröffentliche Delkeskamp eines der künstlerisch vollkommensten Rheinpanoramen, das den Flussabschnitt von Köln bis Mainz zeigt.
Unzählige Panoramen, den jeweiligen Verkehrsverbindungen angepasst, sind seither gedruckt und verkauft worden.
Leider haben die heutigen Darstellungen kaum die Originalität der früheren Panoramen erreicht, sieht man einmal von der Detailgenauigkeit ab, die die moderne Satellitenfotografie ermöglicht hat.
Quelle:"Der Lauf des Rheines" von Werner Schäfke und Ingid Bodsch