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19.05.2017

COMICS! MANGAS! GRAPHIC NOVELS!

Ausstellung 7. Mai bis 10. September 2017
in der Bundeskunsthalle Bonn 

Keiji Nakazawa (1939-2012) Barfuß durch Hiroshima, Seiten 29 und 30 1980
Keiji Nakazawa verarbeitet auf über 2500 Seiten in zehn Bänden in seinem Manga "Barfuß durch Hiroshima" mit autobiografischen Elementen die Atombombenkatastrophe 1945. Seine Zeichnungen werden im Hiroshima Peace Memorial Museum aufbewahrt. 1982 erschien der erste Band in einer deutschen Ausgabe - der erste Manga auf Deutsch. Bisher wurden vier Bände übersetzt. Die Abbildung ist aus dem fünften Band und war bisher in Deutschland noch nie zu sehen.

Mit rund 300 Exponaten aus den USA, Europa und Japan ist Comics! Mangas! Graphic Novels! die bisher umfangreichste Ausstellung zur Geschichte dieses Bildmassenmediums in Deutschland.

"Mit dem Comic entstand die erste mediale Jugendkultur, die längst erwachsen geworden ist: Der Comic meistert heute alle denkbaren Sujets - in den besten Fällen mit großem künstlerischen und literarischen Anspruch, und selten ganz ohne Humor.", so Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle.

Wilhelm Busch zum Trotz: Der moderne Comic ist eine amerikanische Erfindung und das erste Bildmassenmedium der Kulturgeschichte. Er trat, zeitgleich mit dem Film, kurz vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts in New York, dem Zielhafen zigtausender Einwanderer aus Europa, in die Welt und entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einer verbindenden Volkskultur, über deren Pointen Iren, Deutsche, Italiener und Russen nun gleichermaßen lachen konnten. Sein Geheimnis: Die untrennbare Verschmelzung von Zeichnung und Text, durch die die Bildfolgen auf wundersame Weise "in Bewegung" geraten und zu erzählen beginnen. Zur ersten populären Figur wurde ab 1896 The Yellow Kid, und Comics! Mangas! Graphic Novels! eröffnet mit diesem Markstein grafischen Erzählens.

In sechs Abteilungen zeichnet die Ausstellung die Entwicklung des Comics von seinen Anfängen als zunächst ausschließlich komische Unterhaltung in den farbigen Sonntagsbeilagen der New Yorker Tagespresse und bald auch landesweit täglich erscheinenden "strips" bis hin zu heutigen Phänomenen wie dem Manga und der Graphic Novel nach. Anfangs eine hochgeschätzte Kunst, die unvergessene Klassiker hervorbrachte wie Little Nemo oder Krazy Kat und später auch Abenteuerserien wie Flash Gordon und Prinz Eisenherz, wurde der Comic mit dem Aufkommen der Hefte und der Superhelden (Superman, ab 1938) allerdings auch zum "trivialen" Massenprodukt für Kids und unterlag schließlich mit dem 1954 in den USA in Kraft getretenen Comics Code als Gattung per se den strikten Einschränkungen durch den Jugendschutz.

Die Befreiung vom Image des "Blasenfutters für Analphabeten" läuteten endgültig erst Robert Crumb 1968 mit seinem Underground-Heft Zap Comix und Will Eisner mit seiner ersten Graphic Novel, Ein Vertrag mit Gott (1978), ein. Heute präsentiert sich der Comic, inzwischen zur "neunten Kunst" erklärt, wieder als eine erstaunlich vitale und kreative Ausdrucksform, deren Formenreichtum und Vielgestaltigkeit die Ausstellung mit ausgewählten Meisterwerken von Künstlern wie Crumb, Eisner, Mœbius, Jacques Tardi, Enki Bilal, Lorenzo Mattotti oder Chris Ware dokumentiert. Je eine eigene Abteilung widmet sich speziell der Entwicklungsgeschichte des Comics in Europa mit herausragenden Originalseiten von Tim und Struppi bis Asterix sowie dem Manga, der in den 1990er-Jahren auch außerhalb Japans seinen Weg zu einer neuen, inzwischen weltweit verbreiteten Jugendkultur antrat.