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18.03.2018

Neanderthaler waren die Schöpfer

der ältesten Höhlenkunst

Neanderthaler und anatomisch moderner Mensch intellektuell ebenbürtig

Ausgrabungen in Ardales neben der Höhlenkunst der Neanderthaler

Technische Entwicklung ermöglicht Datierung spanischer Höhlenkunst

Obendrein wird zum Frühlingsanfang Nachwuchs in der Ausstellung erwartet: Der Höhlenbärin folgen nach dem Winterschlaf zwei Junge, und auch beim Wollnashorn wird ein Baby zu bestaunen se

In der  Ausgabe (23. Februar) der amerikanischen wissenschaftlichen Fachzeitschrift Science veröffentlicht ein internationales Forscherteam seine bahnbrechenden Ergebnisse zur Datierung spanischer Höhlenkunst.

Die Schaffung eiszeitlicher Wandkunst galt bisher als letztes exklusives Kennzeichen des anatomisch modernen Menschen. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Neanderthal Museums, Mettmann, und des Sonderforschungsbereiches (SFB) 806 ‚Our Way to Europe‘ der Universität Köln kann nun in drei spanischen Höhlen belegen, dass tatsächlich Neanderthaler die eigentlichen Schöpfer der ältesten Höhlenkunst waren. Über die kognitiven Fähigkeiten von Neanderthalern im Vergleich zu denen des modernen Menschen wird in der Forschung seit Jahren kontrovers diskutiert.

Bei der Untersuchung von Höhlenkunst spielt die Altersbestimmung eine zentrale Rolle. „Höhlenkunst genau und präzise zu datieren, ohne sie dabei zu zerstören, war bisher kaum möglich“, sagt der Leiter des Projektes Dirk Hoffmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. „Dank der jüngsten technischen Entwicklungen können wir jetzt aber mit Hilfe der Uran-Thorium (U-Th) Methode Karbonatkrusten auf den Farbpigmenten datieren und so ein Mindestalter für die Höhlenkunst erhalten.“ Die U-Th Datierung basiert auf dem radioaktiven Zerfall von Uran-Isotopen in Thorium. Mithilfe dieser sehr genauen Datierungstechnik können Forscher das Alter von Kalkablagerungen bis zu einem Maximalalter von etwa 500.000 Jahren bestimmen. Damit reicht sie erheblich weiter zurück als die ansonsten gängige Radiokarbonmethode.

In den drei Höhlen, La Pasiega, Maltravieso und Cueva Ardales in Spanien konnte nun jeweils ein Alter von über 60.000 Jahren für Darstellungen der Wandkunst ermittelt werden. Zu diesem Zeitpunkt lebten ausschließlich Neanderthaler auf der Iberischen Halbinsel. Die ersten anatomisch modernen Menschen erreichten Südwesteuropa erst vor 40.000 Jahren.

In der Cueva Ardales führt ein deutsch-spanisches Team des Neanderthal Museums und des SFB 806 seit 2011 Ausgrabungen durch. Die Archäologen können durch Bodenfunde in der Nähe der datierten Wandkunst die zeitgleiche Anwesenheit von Neanderthalern belegen.

Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Co-Direktor der Ausgrabungen, Koordinator der Projekte des SFB 806 im westlichen Mittelmeergebiet und Direktor des Neanderthal Museums ist sicher: „Mit den Datierungen schlagen wir ein völlig neues Kapitel in der Erforschung der eiszeitlichen Höhlenkunst auf." Die früheste Phase der Wandkunst in den drei Höhlen zeigt Linien, Punkte, Handabdrücke und langschmale Flächen in roter Farbe an Orten, die nur mit künstlicher Beleuchtung begangen werden konnten.

Prof. Dr. João Zilhão, vom Catalan Institution for Research and Advanced Studies in Barcelona, ein weiterer Co-Autor der Studie, ist überzeugt: „Auf der Suche nach den Ursprüngen von Sprache und entwickeltem menschlichen Wahrnehmungs- und Denkvermögen müssen wir deshalb viel weiter in unsere Vergangenheit zurückblicken: mehr als eine halbe Million Jahre, auf den gemeinsamen Vorfahren von Neandertaler und modernem Menschen.“ Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass Neanderthaler den modernen Menschen intellektuell ebenbürtig waren. Diesen Ansatz verfolgt das Neanderthal Museum in seiner Arbeit seit vielen Jahren. „Zahlreiche, neue Forschungsergebnisse haben in den letzten Jahren immer eindringlicher belegt, dass Neanderthaler modernen Menschen geistig nicht unterlegen waren. Die Höhlenkunst war das letzte verbliebene Alleinstellungsmerkmal der modernen Menschen. Wir wissen nun, sie gehört auch zum kulturellen Erbe der Neanderthaler“, sagt Prof. Weniger.

Im Neanderthal Museum in Mettmann haben die neuen Erkenntnisse unverzüglich Einzug in die Dauerausstellung gehalten. Das Ausstellungspaneel zur eiszeitlichen Höhlenkunst wurde heute aktualisiert.

Originalveröffentlichung

D. L. Hoffmann, C. D. Standish, M. García-Diez, P. B. Pettitt, J. A. Milton, J. Zilhão, J. Alcolea, P. Cantalejo-Duarte, H. Collado, R. de Balbín, M. Lorblanchet, J. Ramos-Muñoz, G.-Ch. Weniger, A. W. G. Pike: U-Th dating of carbonate crusts reveals Neanderthal origin of Iberian cave art; Science, 23. Februar 2018

Inhaltlicher Kontakt:

Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger

Stiftung Neanderthal Museum, Mettmann

Tel: +49 (0)2104-979733

Mobil: +49 (0)170 5363 106

Mail: weniger@remove-this.neanderthal.de

Prof. Weniger ist zurzeit mit dem seinem Grabungsteam in der Cueva Ardales und mobil zu erreichen.

 

Dr. Dirk Hoffmann

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

Tel: +49 (0)341 3550-362

Mobil: +49 (0)174 900 6322

Mail: dirk_hoffmann@eva.mpg.de

Neanderthal Museum, Talstraße 300, 40822 Mettmann, Tel. 02104/97970; Internet: www.neanderthal.de; e‑Mail: museum@neanderthal.de; Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr; Eintritt 9 Euro für die Dauerausstellung (inkl. Neanderthaler-Fundort), 7 Euro für die Sonderausstellung, Kombiticket 11 Euro; Ermäßigung für Gruppen, Familien, Kinder, Studenten, Behinderte.

 

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