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09.07.2018

Yury Kharchenko Von Herschel Grynszpan

über Simon Wiesenthal bis zu Amy Winehouse

NS-Dokumentationszentrum
13. Juli bis 2. September 2018

Herschel Grynszpan, 2016

Der 1986 in Moskau geborene Künstler Yury Kharchenko lebt seit Ende der 1990er-Jahre in Deutschland. Von 2004 bis 2008 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf. Als Jugendlicher erfährt er, dass der Großvater väterlicherseits mit Familiennamen Grynzspan hieß, diesen Namen als Rotarmist während des Zweiten Weltkriegs ablegte und in Kharchenko änderte. Der Großvater wie auch sein Vater verbargen ihre jüdische Herkunft in der sowjetischen Gesellschaft. Yury Kharchenko fragte sich bald: „Was ist das Jüdische in mir?“ Es wurde zu einem wesentlichen Thema seiner ästhetischen Selbstfindung. In seiner Kunst reflektiert er nicht nur die jüdische Identität seiner Familie. Er verweist auf den Holocaust wie auch auf den bis heute anhaltenden Antisemitismus.

Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei Porträts von Herschel Grynszpan – darunter ein Selbstbildnis von Yury Kharchenko als Herschel Grynszpan – und ein Bildnis des Reichsbischofs der evangelischen Kirche Ludwig Müller. Diese Arbeiten fanden schon letztes Jahr bei der Ausstellung „Luther und Avantgarde“ im Frauengefängnis in Wittenberg nationale und internationale Aufmerksamkeit. Kharchenko thematisiert in diesen Bildern die Geschichte des Attentats von Grynszpan auf den Botschaftssekretär Ernst Eduard vom Rath in Paris am 7. November 1938, das die Nationalsozialisten für ihre lange geplanten Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung propagandistisch nutzten.
Des Weiteren werden eine Reihe von Porträts jüdischer Künstler und Intellektueller der Zeitgeschichte, darunter der Maler Felix Nussbaum, der Schriftsteller und Lyriker Paul Celan, der Publizist Simon Wiesenthal wie auch die Sängerin Amy Winehouse, präsentiert. Sie alle haben in den letzten Jahren einen wichtigen Einfluss auf Fragen, die sich Yury Kharchenko stellte: „Woher komme ich? Und wohin gehe ich?“

Die intellektuelle Auseinandersetzung mit der jüdischen Kultur, Geschichte und Religion führte Kharchenko zu einer spirituellen Beeinflussung seiner Kunst. Diese zeigt sich vor allem in dem Zyklus „Häuser“. Kharchenko verknüpft in diesen Gemälden die Frage nach der Identität mit dem Haus als Symbol des Schutzes und der Geborgenheit. Aus der Serie „House of Spirits“ werden zwei Kunstwerke präsentiert, die Bezug auf die Rolle der jüdischen Gründerväter nehmen.

Kay Heymer, Leiter der Moderne im Museum Kunstpalast Düsseldorf, beschreibt die Gemälde Kharchenkos als „vielfach überarbeitet und vielschichtig – Farbe wurde aufgetragen, wieder abgenommen, in pastoser und in stark verflüssigter Form aufgebracht. Seine Gemälde wirken dank ihrer komplexen Herstellungstechnik gleichzeitig expressiv und anonym, aktuell und zeitlos.“

Am Donnerstag, 12. Juli 2018, wird um 19 Uhr die neue Sonderausstellung „Yury Kharchenko: Von Herschel Grynszpan über Simon Wiesenthal zu Amy Winehouse“ im NS- Dokumentationszentrum eröffnet. Bürgermeister Hans-Werner Bartsch spricht ein Grußwort. Zur Eröffnung wird Gérard A. Godrow, freier Kurator und Autor, in das Werk von Yury Kharchenko einführen. Die Ausstellung läuft vom 13. Juli bis 2. September 2018.